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»Den Blick auf den Himmel richten« I for KING & COUNTRY

Die Band um die Brüder Joel und Luke Smallbone ist in den USA bereits mega erfolgreich – Ende 2014 waren sie auf großer Tournee und haben in diesem Jahr  schon zwei GRAMMYs abgestaubt. Dennoch kennen sie das Leben mit allen Höhen und Tiefen. Sänger Luke hat TEENSMAG ganz nah rangelassen – Hier das komplette Interview!

 

TEENSMAG: Was war der schönste Moment auf eurer Tour Ende letzten Jahres?

Luke: Wir haben gerade unsere „You Matter“-Tour beendet. Für mich waren die Momente am schönsten, in denen Leute zu uns kamen und ihre Geschichte erzählten. Wenn wir unsere Songs in unseren kleinen Studios schreiben, wissen wir nie, wie sie ankommen, wie die Leute reagieren – ob sie etwas damit verbinden oder nicht. Es ist überwältigend, wenn Leute sagen: „Das ist der Song für mein Leben, den du nur für mich geschrieben hast.“ Diese Momente sind immer etwas Besonderes für uns.

Was steckt hinter dem Tour-Titel »You matter«?

Wir versuchen, uns so oft es geht an junge Frauen zu wenden. Die Gesellschaft gibt ihnen vor, wie sie reden sollen, wie sie sich kleiden sollen und macht ihnen weis, dass sie nicht viel mehr Wert seien als ein Penny. Aber wir glauben, dass es einen Gott gibt, der jede Einzelne von ihnen für unbezahlbar hält. Deshalb haben wir uns entschieden, die Tour »You matter« zu nennen, weil viele Menschen, vor allem Teenager, denken, dass sie unwichtig und wertlos sind. Wir möchten sie erinnern, dass sie wertvoll sind!

Was erwartet die Konzertbesucher?

Unsere Show ist voller Energie. Wir haben viele Trommeln und etwa fünf Musiker, die für uns spielen, insgesamt sind wir sieben oder acht Leute auf der Bühne. Meistens ist es eine wirklich gute Zeit und sehr unterhaltsam – hoffentlich. Heutzutage wird den Leuten täglich so viel Unterhaltung auf ihren Smartphones geboten. Deswegen hoffe ich, dass Show die Leute unterhält und sie aufmerksam werden lässt, damit sie zuhören, wenn wir darüber reden, was uns auf dem Herzen liegt.

Also alles in allem eine große Party?

Ja! (lacht.) Es ist eine große Party.

Eure Texte sind so ehrlich und authentisch. Passen sie mit dieser Entertainment-Bühnenshow zusammen?

Natürlich haben wir Lieder, die schwermütig sind und die man traurig nennen könnte. Aber ich denke, in dem Fall ist es wie vielen Dingen: Wenn Menschen ihre Geschichte erzählen, geht es nicht in erster Linie darum, dass sie traurig sind, sondern dass sie real werden, greifbar. Es ist unsere Aufgabe, unsere Geschichten ehrlich zu erzählen. Viele unserer Lieder wie »Run wild. Live Free. Love strong.« feiern die Tatsache, dass wir heute noch so viele Momente vor uns haben. Es gibt auch traurige Lieder wie »Without you«, aber meiner Meinung nach beeinflussen sie die Show nicht zu sehr.

In einem Interview sagte Joel, dass der Song »Fix my eyes« euch als Band am besten repräsentiert. Warum?

Wir haben diesen Song geschrieben, als wir einiges im Leben durchmachen mussten. Wir waren auf unserer ersten Headliner-Tour. Meine Frau war zu dem Zeitpunkt im siebten Monat schwanger und hatte Beschwerden, Joel ging durch einige Beziehungsprobleme mit seiner jetzigen Frau und bei mir wurde eine schwere Krankheit im Verdauungsystem diagnostiziert. Genau in dieser Zeit hatten wir ein Treffen, um einen Song zu schreiben. Wir machten eine Liste mit Dingen, die uns im Leben wirklich wichtig sind: zu leben, als hätten wir keine Angst, sich Zeit für einen Bruder zu nehmen, für die Schwachen zu kämpfen, sich für Frieden auszusprechen. All diese Dinge sind gut. Für uns ist es aber das Beste, unseren Blick auf den Himmel zu fixieren. Das Lied repräsentiert uns so gut, weil wir die Aussage des Textes und die Musik dahinter lieben. Es ist ein einzigartiges und lebenslustiges Lied, das zeigt, wie wir wirklich sind.

Das Lied »Without you« singst du mit deiner Frau zusammen. Kannst du uns ein bisschen über die Geschichte hinter dem Song erzählen?

Vorletztes Jahr wurde ich sehr, sehr krank, sodass ich für etwa zweieinhalb Monate komplett aus der Bahn geworfen war. Es waren die dunkelsten Tage meines Lebens. Mein Gewicht ging auf 57 Kilogramm runter. Ich bin ein 1,90m-Mann, sehr groß – ich bestand nur noch aus Haut und Knochen. Meine Frau glaubte, sie könnte mich verlieren. Einmal kam sie zu mir und sagte: »Luke, du kannst mich hier nicht alleine lassen.« Weißt du, wenn du ein junger Mann bist und dich immer unbesiegbar und unzerstörbar gefühlt hast, ist es sehr hart, so etwas zu hören. Das Lied handelt von der Reise dadurch. Es gibt Zeiten im Leben, in denen schwere Dinge geschehen. Aber ich liebe meine Frau und meine Frau liebt mich und ich möchte nicht ohne sie leben.

Wie haben dich diese harten Zeiten als Christ beeinflusst und verändert? Wie hast du Gott erlebt?

Ehrlich gesagt, veränderte es alles. Ich bin Christ, seit ich acht Jahre alt war. Bevor ich krank wurde, sind mir nicht viele schwere Dinge passiert. Wenn man dann durch Kämpfe und Nöte geht, kann man erleben, wie treu Gott ist. Er ist sehr, sehr gut. Und er ist so real. Das wusste ich, seit ich jung war. Aber wenn du tatsächlich erlebst, wie schwer das Leben ist, verändert es dich. Ich habe immer noch diese Krankheit und weiß nicht, wie viel Zeit mir auf der Erde bleibt. Es können drei Tage oder 30 Jahre sein, vielleicht fünfzig Jahre. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, wenn ich durch diese Krankheit sterben sollen, sterbe ich als ein Mann voller Hoffnung.

In den letzten Monaten musstet ihr einige weitreichende Entscheidungen treffen – Joel hat geheiratet, du wurdest Vater, deine Krankheit. Was hat euch bei den Entscheidungen geholfen? Welche Rolle hat Gott gespielt?

Ich denke, dass Gott diese Situationen und Zeiten im Leben nutzt. Er nimmt es sich heraus, immer erreichbar zu sein, damit wir uns auf ihn stützen können. Die Entscheidung liegt dann bei uns. Wir können uns in diesen Zeiten auf ihn verlassen, oder aber sagen »Wie würde ich es machen? Ich will das Problem auf meine Weise lösen.« Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es die beste Entscheidung ist, sich von Jesus abhängig zu machen. Es wird dadurch nicht unbedingt leichter, aber fröhlicher. Mir gibt es Hoffnung, weil ich weiß, dass Jesus für mich ist. Und ich weiß aus der Bibel, dass niemand gegen mich sein kann, wenn Jesus für mich ist. Das ist eine große Verheißung aus der Bibel, die wir erleben können.

Wie erlebst du Gebet im Alltag?

Das ist schon komisch: Als ich so krank war, war Gebet das einzige, das mich wirklich getröstet hat. Ich konnte nicht mal mehr lesen, weil ich davon immer Kopfschmerzen bekam. Gebet war also das einzige, das mich getragen hat. Ich hab Gott gebeten, bei mir und meiner Not zu sein. Viele Leute fragen sich, was Gebet überhaupt bringen soll. Ich stehe vor euch als jemand, der sagt: »Gebet bewirkt etwas.« Mir bedeutete es unglaublich viel.

Kannst du einen Moment mit uns teilen, in dem Gott dein Gebet erhört hat?

Um auf meine Krankheit zurückzukommen: Es gab eine Nacht, in der ich sehr krank war. Ich war niedergeschlagen und panisch und fühlte mich wie erdrückt. Und ich bat Gott um einen Moment des Friedens. Ich sagte: »Gott, ich brauche dich hier, jetzt, in meiner Gegenwart.« Und ich spürte, wie mein Körper sich beruhigte. Das war so verrückt. Es war, als würde Gott sagen: »Erlaube mir, in dein Leben zu kommen und dir Ruhe zu schenken. Verlass dich auf mich. Bau auf mich. Es wird gut werden.«

Was hältst du davon, euren Albumtitel etwas zu erweitern: »Run wild. Live free. Love strong. Pray hard.« Ist das nicht genauso wichtig wie die anderen Begriffe?

(lacht.) Das ist auf jeden Fall wichtig. Aber es ist kein Begriff, den wir unbedingt im Albumtitel haben wollten. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass Gebet real ist. Aber jeder muss das für sich selbst herausfinden, um es vollständig glauben zu können. Das ist unsere Hoffnung: Dass wir veranschaulichen, dass Jesus wirklich der ist, der er behauptet zu sein. Die Wahrheit ist, dass jeder Einzelne diese Entscheidung für sich selbst treffen muss. Ich kann sie niemandem abnehmen. Wir wollen mit unserem Leben zeigen, dass Gott existiert und Menschen helfen, das zu erkennen.

Wie haben euch die Veränderungen im Leben als Musiker beeinflusst?

Wir sind auf jeden Fall beschäftigter als früher. Ich will so viel Zeit wie möglich Frau verbringen, natürlich auch mit meinem Sohn. Das ist nicht immer einfach. Aber das Leben zu Hause inspiriert mich auch. »Run wild. Live free. Love strong« – diese Phrase wurde von meinem Sohn inspiriert, als er Laufen lernte. Ich habe ihm zugesehen, wie er herumrannte und das Leben erkundete. Er war so frei – einfach, weil meine Frau und ich ihn lieben und beschützen. Und wenn ich in seine Augen schaute, konnte ich sehen, wie sehr er liebt. Die Art, wie dich deine Familie inspiriert, verändert dich. Ich bin sehr dankbar – ohne meine Familie wäre ich nicht die Person, die ich heute bin.

Ihr werdet oft als die »australische Antwort auf Coldplay bezeichnet«. Inwiefern unterscheidet ihr euch von Coldplay?

Ich denke nicht, dass wir Coldplay sehr ähneln. Aber es ist schön, dass die Leute uns mit ihnen auf eine Stufe stellen. Wir haben großen Respekt vor ihrer Arbeit. Trotzdem glaube ich nicht, dass wir ähnliche Songs schreiben; auch unser musikalischer Geschmack ist anders: Wir haben eine große Vorliebe für Rhythmus und Drums. Klar, auch Coldplay haben ein Schlagzeug, aber meiner Meinung nach ist das, was wir machen, ganz anders. Allein der Fakt, dass mein Bruder und ich zusammen die Lead-Sänger sind, unterscheidet uns von ihnen.

Die meisten unserer Leser kennen euch bisher nicht. Könnt ihr uns erzählen, was euch zu einer Band macht, die unsere Leser hören MÜSSEN?

In unseren Liedern geht es Menschen und ihre Geschichten. Auf unserem ersten Album »Crave« hatten wir einen Song, in dem es um den Kampf mit Depressionen ging. Auf dem neuen Album gibt es mit »Without you« ein Lied über die Liebe zu meiner Frau. Wir sind sehr ehrlich, was schwere Zeiten angeht, wie zum Beispiel meine Krankheit. Das ist echt wichtig, weil ehrliche Musik auf eine ganz andere Art und Weise die Herzen öffnet. Menschen, die ehrlich sind und die Wahrheit sprechen, haben etwas tu sagen. Und ich hoffe, dass die Botschaft und die Dinge, über die wir schreiben, Menschen ermutigen und beeinflussen, sodass sie irgendwann sagen können: »Diese Musik oder dieses Lied ist mein Lied, das für mich geschrieben wurde.« Diese Momente wünschen wir uns für die Menschen. Dass Gott ihre Herzen verändern kann.

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Es gibt so viele. In meiner High-School-Zeit, als ich 16/ 17 Jahre alt war, hat mich die Band Switchfoot inspiriert. Sie haben Musik auf die gleiche Art und Weise verfolgt wie ich heute und sind definitiv eine fantastische Band.

Ihr kommt aus einer sehr musikalischen Familie. Wie hat das euer Leben zu Hause geprägt?

Wenn du dein ganzes Leben von Musik umgeben bist, hast du fast keine Wahl. Du sitzt nicht einfach da und fragst dich, ob du Musik magst, irgendwann sprudelt sie einfach aus dir heraus. Musik hat mich begleitet, seit ich ein kleiner Junge war. Und ich bin dankbar dafür, weil es mir geholfen hat, meinen Musikgeschmack zu entdecken. Außerdem konnte ich früh erfahren, wie viel harte Arbeit nötig ist, um erfolgreich Musik zu machen. Viele vergöttern die Menschen aus der Musikindustrie, die sich damit ihr Geld verdienen. Das habe ich nie getan, weil ich von Anfang an erlebt hab, dass meine Schwester und mein Vater – beide professionelle Musiker –normale Menschen sind wie ich. Und es war wichtig, dass ich das früh gelernt habe.

Kannst du uns ein Familientreffen der Smallbones beschreiben?

Es ist verrückt! Wir sind sieben Geschwister, fünf von uns sind inzwischen verheiratet. An Weihnachten kommen wir alle mit unseren Eltern zusammen. Wir sind alle sehr laut und rechthabereich, und dann sind da noch die ganzen Kinder. Es ist eine Welt für sich und wir alle lieben es!

Inwiefern ist die Beziehung zwischen dir und Joel besonders im Vergleich zu der mit euren anderen Geschwistern?

Als Kinder und Teenies waren Joel und ich eigentlich immer Rivalen. Das änderte sich erst, als ich etwa 19 Jahre alt war und wir das erste Mal zusammengearbeitet haben. Wenn du mit deinem Bruder zusammenarbeitest, kannst du aufrichtig und ehrlich deine Meinung sagen. Du musst nicht politisch korrekt oder behutsam sein, wenn du über verschiedene Dinge in der Musik sprichst. Du kannst einfach sagen, dass du die Idee nicht magst. Und am Ende des Tages weiß er, dass ich ihn noch lieb habe, weil er mein Bruder ist. Es ermöglicht dir, schnell zur Sache zu kommen. Ehrlich, Joel ist einer meiner besten Freunde und ich liebe meine Arbeit mit ihm. Wenn ich nicht mit ihm arbeiten würde, würde ich wahrscheinlich keine Musik machen.

Wer sind eure anderen Bandmitglieder?

Es sind einige Jungs, die wir von unserer Stadt hier kennen und für uns wie Brüder geworden sind. Wir sind enge Freunde und jeder einzelne ist sehr talentiert. Sie kommen aus ganz Amerika: einige aus Louisiana, einige aus Texas, andere aus Tennessee. Wir sind eine Band aus Brüdern, die Gott gemeinsam lieben. Und wir lieben es, zusammen Musik zu machen.

Habt ihr ein Ritual, das ihr macht, bevor ihr auf die Bühne geht?

Wir beten und gewöhnlich lesen wir etwas zusammen, bevor wir auf die Bühne gehen. Wir sind onstage nicht sehr anders als offstage. Wenn dein Fokus auf den richtigen Dingen liegt, kommt das normalerweise auf der Bühne raus. Unser Fokus und unsere Mission im Leben ist es, die Herzen der Menschen für Jesus zu bewegen. Daran wollen wir uns in jedem Moment auf der Bühne erinnern.

Wie geht deine Frau damit um, wenn du auf Tour bist? Kommt sie mit dir oder bleibt sie zu Hause?

Sie ist gerade zu Hause. Und ich bin bei ihr, bis das Baby kommt (Anmerkung der Redaktion: Das Baby wurde inzwischen geboren). Aber es ist nicht einfach. Wir vermissen uns extrem. Wenn sie mich besucht, ist das fantastisch. Und wenn sie zu Hause bleibt, reden wir viel und ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen.

Wie lange seht ihr euch dann nicht?

Üblicherweise sind es nur ein paar Tage. Wir versuchen, fünf Tage nicht zu überschreiten. Es ist nicht so, dass wir unser Zuhause sechs Wochen lang nicht sehen würden. Das wäre meiner Familie gegenüber nicht fair. Deshalb versuche ich, sehr schnell wieder nach Hause zu kommen.

Bitte erzähle uns den lustigsten Moment mit deinem Sohn.

Mit meinem kleinen Jungen ist jeder Tag lustig. Einfach die Art, wie er mit dem Leben umgeht. Die ganze Zeit ist voller unwillkürlicher Freude: wie er lacht und rumalbert und mich zu Lachen bringt. Das sind Erinnerungen und Dinge, die ich immer liebe. Allein seine Persönlichkeit – ich sehe die Ähnlichkeit zu meiner Frau und manchmal ist er mir sehr ähnlich. Das ist ein großer Spaß für Eltern.

 

Interview_Lisa und Judith finden es toll, wie ehrlich die Jungs von for KING & COUNTRY sind.

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