Enkelin Tabea und Opa Wolfgang schreiben sich E-Mails (Copyright Christina Grube)

E-Mail von Opa

In der aktuellen Ausgabe haben wir einen Briefwechsel zwischen Tabea und ihrem Großvater Wolfgang abgedruckt. Vor einem Jahr (Ausgabe 1/15) haben die beiden schon einmal einen Blick in ihren Mail-Verlauf gewährt. Hier kannst du nachlesen, worüber sie sich damals unterhalten haben.

 

Lieber Opi, alles Gute und Gottes Segen für dein neues Lebensjahr. Ich wünsche dir, dass du noch viele schöne Momente mit uns, aber natürlich auch mit Gott haben wirst. Hoffentlich hast du heute einen wunderschönen Tag, gute Gespräche, schönes Wetter, …

 

Liebe Tabea, ich bin gespannt, wie sich dein Wunsch nach schönen Momenten mit Gott in meinem neuen Lebensjahr erfüllen wird. Kommt vielleicht dein Wunsch daher, dass auch du solche schönen Momente mit Gott erlebt hast? Liebe Grüße, Opa

 

Lieber Opa, mein Wunsch kommt daher, dass man einander zum Geburtstag schöne Sachen wünscht. Deshalb sollten die guten Momente mit Gott natürlich nicht vergessen werden. Und zu deiner Frage: Ich hatte schon einige tolle Momente mit Gott, z. B. wenn er über andere oder auch direkt zu mir spricht oder auch wenn ich merke, wie er mir Kraft gibt, immer bei mir ist und ich immer zu ihm kommen kann. Denn das verliert man im Alltag zu schnell aus den Augen. Grüße zurück, Tabea

 

Liebe Tabea, ich habe mich über deine Mail sehr gefreut und lange über das nachgedacht, was du geschrieben hast. Schön, dass du gemerkt hast, wie Gott zu dir spricht. Nun hast du aber Freunde in der Schule oder auch beim Sport, die keine Christen sind. Wie würdest du denen erklären, dass Gott zu dir gesprochen hat? Haben die überhaupt eine Antenne für solche Themen? Dein Opa

 

Lieber Opa, das ist eine sehr schwierige Frage, denn meine Freunde in der Schule haben mit Glauben nicht viel am Hut. Eine meiner Freundinnen ist sogar Muslimin. Aber ich habe alle zur Entlassungsfeier aus dem Biblischen Unterricht eingeladen; sie sind auch alle gekommen und haben gesagt, dass es ihnen gefallen hat. Ich bekenne mich in der Schule als Christin und wenn mich jemand darauf anspricht, komme ich gerne mit ihnen ins Gespräch und erzähle ein bisschen was über meine Gemeinde. Zu deiner Frage: Weil meine Freundinnen nicht an Gott glauben, werden sie nicht so schnell fragen, wie denn Gott zu uns Menschen spricht. Darum ist es erstmal wichtig, sie mit Gott bekannt zu machen. In deinem Alter hat man fast nur Christen als Freunde oder nicht? Deine Tabea

 

Liebe Tabea, das ist schon so, dass meine Freunde Christen sind. Wie du weißt, wohnen wir ja in unserem Haus mit einer Reihe Nichtchristen zusammen. Als die schon mal in schwierigen Lebenslagen waren kamen sie zu mir – vielleicht auch, weil ich Pastor im Ruhestand bin – und fragten, ob ich ihnen helfen kann. Dabei ergab sich ab und zu ein Gespräch über Gott und Glauben. Das ist auch für mich nicht immer leicht, weil meine Gesprächspartner nur zu schnell meinen, ich sei doch Pastor und müsse darum fromm reden. Dann ist es mir wichtig, klarzumachen, dass ich nicht »von Berufs wegen« so spreche, sondern dass dies meine Überzeugung ist. Es ist nicht leicht, Christliches so ins Gespräch zu bekommen, dass andere das auch wirklich richtig verstehen können. Wir gebrauchen oft viel zu fromme Vokabeln. Danke, liebe Tabea, dass du dich auf die Fragen und das Gespräch eingelassen hast. Bis bald, dein Opa

 

Lieber Opa, auch das wollte ich dir noch gerne schreiben: Letzte Woche haben wir bei uns in der Schule Tests gemacht, wo uns, nach einer Auswertung von beantworteten Fragen, gesagt wurde, welcher Job zu unseren Interessen passen würde. Es kamen bei mir mehrere Sachen heraus, die mich ansprechen. Woher kann ich wissen, welcher Job der Richtige für mich ist? Deine Tabea

 

Liebe Tabea, das habt ihr sicherlich genossen, dass euer Schulalltag durch solche Tests mal aufgelockert wurde. Meine Rückfrage dazu: Haben die Testergebnisse bei dir auch Berufswünsche, die du hast, zerschlagen, weil sich herausstellte, dass du dafür nicht geeignet bist? Meine andere Rückfrage: Haben sich durch den Test für dich neue berufliche Perspektiven eröffnet? Vielleicht sagst du zunächst etwas dazu, bevor wir über deine Frage nach dem richtigen Job weiter gemeinsam nachdenken. Lass es dir gut gehen, dein Opa

 

Lieber Opa, ja, das stimmt, denn dann hatten wir endlich mal wieder »nur« bis 14 Uhr Schule.  –Nein, es wurde dadurch kein Wunsch zerschlagen, denn Journalismus stand bei den Auswertungen sehr weit oben. Der Bereich »Politik und Geschichte« war bei mir an zweiter Stelle, und das hat mich auch sehr angesprochen. Es war sehr interessant, wie dieser Test neue Türen geöffnet hat. Bis bald, Tabea

 

Liebe Tabea, das wird für dich in einigen Jahren, wenn du die Schule abgeschlossen hast, eine ganz wichtige Entscheidung sein, den »richtigen« Berufsweg einzuschlagen. Noch aber hast du ja reichlich Zeit, diese Frage zu beantworten. Darum setze dich nicht unter Stress und sei offen für unterschiedliche Berufswege! Ein Test, wie ihr ihn gemacht habt, ist gut und wichtig. Er versucht ja, Begabungen und Neigungen herauszufinden. Testergebnisse sind aber nicht alles. Du musst auch Freude an deinem Berufsweg haben und überlegen, ob du auf diesem Weg einmal gute berufliche Aussichten hast. Ich halte außerdem viel davon, bei diesen Fragen auch auf gute Freunde zu hören, die dich und deine Begabungen kennen. Als Christ wird dich ja auch ganz wesentlich die Frage beschäftigen, was Gott von dir will. Darum kann man ja zeitig anfangen, regelmäßig für den richtigen Berufsweg zu beten. Dabei darfst du wirklich darauf vertrauen, dass Jesus dich in solchen Fragen richtig lenkt. Er öffnet Türen, zeigt dir berufliche Möglichkeiten und wird dich gerade auch in solchen Entscheidungen nicht alleine lassen. Liebe Grüße an dich, dein Opa

 

Lieber Opa, vielen Dank, dass du mir da weitergeholfen hast. Du hast recht, ich werde dafür beten, dass Gott mir den richtigen Weg sowohl im späteren Beruf als auch sonst im Leben zeigt. Ich fand es auch cool, mit dir mal über andere Themen, über Gott, Glauben und meine spätere Berufswahl zu sprechen. Das kann ich sonst mit meinen Freunden nicht so machen. Ich freue mich auch, dass meine Glückwunschkarte zu deinem Geburtstag zu diesem E-Mail-Wechsel den Anstoß gegeben hat. Grüße zurück, Tabea.

 

Nachgefragt

Wir haben Opa und Enkelin natürlich noch mal befragt, wie sie die letzten Wochen empfunden haben. Denn obwohl die beiden per Facebook in regelmäßigen Kontakt stehen, hat ihnen der E-Mail-Wechsel die Möglichkeit gegeben, über entscheidende Fragen im Leben noch mal neu und mit mehr Tiefgang zu sprechen. Opa Wolfgang ist froh über diesen Austausch: »Jedes Gespräch hilft mit, ein besseres Bild der Generation zu gewinnen. Meine Lebenswirklichkeit als Teenager war in der Tat grundlegend anders. Damals war die Nachkriegszeit mit dem sogenannten Wirtschaftswunder. Beruflich standen alle Türen weit offen, an Digitalisierung war überhaupt nicht zu denken. Es erfordert für heutige Senioren schon eine große Anstrengung, uns in die globale und digitalisierte Wirklichkeit der Enkel-Generation hineinzuversetzen.« Auch Tabea hat einiges dazugelernt: »Ich habe aus dem E-Mail-Wechsel gezogen, dass ich Opa solche Fragen stellen kann, da er mehr Lebenserfahrungen sammeln konnte und er mir so auf jeden Fall Tipps geben kann. Schließlich war er einmal genauso alt wie ich.«

 

Der Text ist TEENSMAG 1/2015 entnommen. In Nr. 3/2016 findet sich der zweite Beitrag aus der E-Mail-mit-Opa-Reihe.

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