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Gut gemetzelt = halb gewonnen? I Hunger Games im Kino

Der erste Teil von »Mockingjay«, der Verfilmung des dritten Buches der »Tribute von Panem«-Trilogie, läuft seit dem 20.11. in den Kinos und will an den Erfolg seiner Vorgänger anknüpfen. teensmag hat in die Bücher reingelesen und die Message untersucht.

 

Das Konzept von Suzanne Collins ist anziehend und funktioniert: Junge Menschen kämpfen für ihr Recht und repräsentieren eine Menge Gefühle, die Leser und Zuschauer bewegen: Hoffnung, Leidenschaft, Kampfgeist, Verzweiflung, … Eingepackt ist dieser Stoff in eine Science-Fiction-Geschichte mit Suchtfaktor. Das zukünftige Nordamerika ist als tyrannischer Staat namens Panem mit zwölf Distrikten organisiert; Distrikt 13 wurde offiziell ausgelöscht. Präsident Snow (gespielt von Donald Sutherland) herrscht eiskalt: Zur Strafe für vergangene Aufstände dürfen die Bewohner ihren Lebensraum nicht verlassen, müssen sich für die Arbeit zugunsten des staatlichen Wohls aufopfern und an den jährlichen Hungerspielen Anteil nehmen. Dabei kämpfen minderjährige Spieler in einer abgeschlossenen Arena gegeneinander um Leben und Tod, bis es einen Sieger gibt. Das Spektakel wird gefilmt und ins ganze Land übertragen. Die Protagonistin Katniss (Jennifer Lawrence) fällt durch gefühlvolle Aktionen auf und wehrt sich mit listigen Taten gegen die Spielregeln, weshalb sie zum Symbol der Widerstandsbewegung avanciert. Im dritten Teil tritt die Bevölkerung von Distrikt 13 auf den Plan, die ein reglementiertes Leben im Untergrund führt. Die wachsende Unzufriedenheit der Menschen wurde durch Katniss’ Widerstand angestachelt und formiert sich zu einer Revolutionsbewegung. Katniss muss sich entscheiden, ob sie den Rebellen um Präsidentin Coin (Julianne Moore) trauen kann und für sie das Symbol des Widerstandes spielen will. Die Grenzen zwischen Freund und Feind verwischen…

 

In drei Büchern und geplanten vier Filmadaptionen steckt viel drin – auch an kritischen Fragen über und an die Menschheit:

Unterhaltungskultur

Die Reichen finden Gefallen an Sensationen und schauen gerne Unschuldigen beim Sterben zu. Die Spiele ähneln antiken Gladiatorenkämpfen, bei denen ein großes Publikum live bei der Ermordung zugesehen hat. Diese Sensationslust steigert sich, während die Hemmschwelle weiter abnimmt. Suzanne Collins kritisiert damit die aktuelle Unterhaltungskultur inklusive aller Realityshows und wünscht sich, dass das Publikum einen gesunden Ekel entwickelt und sich den schrecklichen Bildern entzieht. Das würde den Medien die Macht nehmen, Menschen in Opferrollen zu stecken und sie zu entwürdigenden Taten zu treiben.

Ungerechtigkeit

Die Unterschiede in der Lebensqualität der Bewohner Panems sind groß: Distrikt 1 lebt ein locker-leichtes Leben im Überfluss, während Distrikt 12 ums Überleben kämpft. Die Heldin Katniss wehrt sich gegen das korrupte System und will nicht mit sich spielen lassen. Ihre Freunde und sie setzen ihre persönlichen Fähigkeiten ein und nutzen ihren Platz im Leben, um etwas zu bewegen. Beispielsweise entwirft Cinna als Modedesigner atemberaubende Kostüme, die Katniss für ihre Arbeit braucht. Die Ausbeutung einer Mehrheit durch eine Minderheit findet man in vielen Ländern der Welt. Suzanne Collins fragt zwischen den Zeilen, ob wir diese Ungerechtigkeit zulassen und was wir dagegen tun wollen. Die Geschichte lädt ein, sensibel zu sein für das Leid der Ausgenutzten und nicht die Hände in den Schoß zu legen.

Masken

Die Einwohner der Hauptstadt Panems wollen durch ausgefallene Outfits auffallen und eine Performance abliefern. Ihr Lebensinhalt ist es, den schönen Schein aufrecht zu erhalten, um möglichst beliebt und attraktiv zu wirken. Von außen betrachtet merkt man aber, dass sich diese Menschen in ihren verrückten Klamotten lächerlich machen und nicht mitbekommen, dass um sie herum echte Probleme herrschen. Katniss dagegen repräsentiert Mut und Reinheit und braucht keine Verkleidung. Ihr ist ein authentischer Lebensstil wichtiger als der perfekte Auftritt. Dennoch muss auch sie sich dem gesellschaftlichen Druck beugen und eine Liebesgeschichte vorspielen, um zu überleben. Wie im echten Leben ist der Grad zwischen Sein und Schein sehr schmal und muss regelmäßig überprüft werden.

Beziehungen

Jeder braucht Helfer, um zu überleben. Das wird bei den Hungerspielen deutlich und verstärkt sich in den weiteren Episoden. Ohne Freunde, denen man vollkommen vertrauen kann, ist das Leben unmöglich machbar. Katniss beschützt ihre Schwester, Gale kümmert sich in Katniss’ Abwesenheit um ihre Familie und Cinna gibt wertvolle Tipps weiter. Im dritten Band bemerkt Katniss zunehmend, dass man sich nicht auf oberflächliche Beziehungen stützen sollte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

»Die Angst funktioniert nur, wenn Hoffnung verschwindet«, erklärt Präsident Snow und setzt alles daran, die Hoffnung der Menschen zu zerstören. Hoffnung ist eine starke Waffe, weil sie durch Niederschläge tragen und neuen Mut machen kann. Die Bewohner Panems klammern sich an diesen Strohhalm und kämpfen für ihre Überzeugung. Als Christen wissen wir, dass Gott in uns lebt, auf uns aufpasst und uns retten will. An dieser Hoffnung können wir uns festhalten und sie an andere Menschen, denen Hoffnung fehlt, weitergeben. Diese Nachricht könnte viel Angst verjagen.

Vergebung?

Die Rebellen gehen hart vor und wollen Böses mit Bösem vergelten. Sie wollen alle schlechten Erfahrungen zurückgeben und den Präsidenten und seine Anhänger spüren lassen, was Leid bedeutet. Katniss hinterfragt diese Einstellung. Du auch?

 

Die Geschichte ist brutal und schockierend. Bereits der erste Film stand in der Kritik, zu gewaltsam zu sein. Suzanne Collins erklärt, dass sie Gewalt aufdecken will, statt sie anzuerkennen. Und tatsächlich kommen Fragen auf, wenn man die Bilder sieht: Würde ich töten, wenn es nötig wäre? Hätte ich den Mut, mich gegen die Terrorherrschaft aufzulehnen? Würde ich die manipulierenden Medien entlarven oder darauf hereinfallen?

Im Kleinen finden sich viele der Wahrheiten in unserer Realität wieder. Jeder Leser und Zuschauer kann sich überlegen, was er mit den Fragen macht. Denkst du drüber nach und veränderst dein Umfeld positiv oder schiebst du die schweren Fragen lieber in den Hinterkopf? In der nächsten teensmag-Ausgabe vertiefen wir das Thema Ungerechtigkeit – vielleicht ist nun der richtige Zeitpunkt, um sich mit den Problemen auseinanderzusetzen.

_Lisa hat die Trilogie verschlungen und findet Jennifer Lawrence sympathisch.

2 Kommentare
  1. lili
    lili says:

    Wenn man sich die Filme von Panem anschaut oder die Bücher liest, merkt man, dass es irgendwie parallele zu unerer Welt gibt, aber es ist schwer diese wirklich zu sehen und zu begreifen. Jetzt wo ich das hier alles gelesen habe, kommt es mir logisch vor. Ein richtig guter Artikel und wichtige Themen über die wir uns wirklich mehr Gedanken machen sollten.

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  2. Dorothee
    Dorothee says:

    Ein sehr gut geschriebener Artikel,der es auf den Punkt trifft! Ich fangirle diese Trilogie ebenfalls und kann den 4. Film kaum noch erwarten. Suzanne Collins spricht superwichtige Themen an! Es wird genau das aufgegriffen, worüber auch ich mir beim lesen/im Kino Gedanken gemacht habe. Allerdings hat dieser Artikel diese Gedanken noch mehr in mir geweckt und mir die Aktualität erst richtig klar gemacht!
    Insgesamt sehr schön und ein wichtiges Thema, über das dringend diskutiert werden muss!
    Also, Leute wo sind eure Gedanken?

    Antworten

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