»Wie kann ich meinen Glauben wieder finden?«



Ben, 17// Ich glaube ich stecke in einer Glaubenskrise! Ich bin christlich aufgewachsen und eigentlich gab es für mich nie einen Grund, warum ich nicht glauben sollte. Doch nun werde ich von Zweifeln überrannt. Wieso soll ich an einen Gott glauben, den ich weder fühle, spüre geschweige denn sehe? Wie soll ich an etwas glauben, dass nicht bewiesen ist? Wieso sollte ich überhaupt glauben? Es gibt so viele Menschen, die ohne Gott ein erfülltes Leben haben! Was soll ich tun? Wie kann ich meinen verlorenen Glauben wieder finden?

Zunächst einmal möchte ich dich trösten: Glaubenszweifel gehören zum Glauben dazu. Sie zeigen, dass sich etwas in unserer Beziehung zu Gott verändert, dass wir vielleicht alte Überzeugungen nicht mehr teilen können, dass wir nach neuen Formen der Gottesbegegnung, des Gebets oder des aktiven Glaubenlebens suchen. Das ist an sich nicht schlecht, sondern kann uns helfen, uns, unseren Glauben, unsere Beziehung zu Gott zu hinterfragen und einige Dinge grundlegend zu ändern oder einen neuen Anlauf zu nehmen, um sich mit Gott und all den Fragen die dazugehören, auseinanderzusetzen. Aber es ist natürlich nicht leicht, einen Neuanfang zu wagen, wenn man Gott nicht mehr spürt und nicht die Kraft zu haben meint, aktiv etwas zu verändern. Dann neigen wir dazu, Gott zu bitten die Dinge zu verändern und verzweifeln darüber, dass er es nicht tut. All diese Gefühle und Gedanken kenne ich nur zu gut und ich möchte dir wirklich Mut machen, deine Krise zu nutzen. Überleg dir, was dir genau fehlt. Wann, in welchen Momenten oder Situationen hast du Gott früher immer gespürt? Funktioniert das heute auch noch? Könnte es vielleicht sein, dass dir Gott nun auf andere Art und Weise begegnen will? Probier verschiedene Sachen aus: Teenkreise, Gespräche mit Freunden, kreatives Bibellesen oder Beten, Spaziergänge oder Lobpreissessions – was auch immer dir einfällt … tanzen, malen, rennen, schweigen, ... Probier alles aus, was dir einfällt. Sprich doch auch mal mit deinen Eltern, mit älteren Freunden oder mit dem Jugendleiter. Wie haben sie Glaubenskrisen überwunden? Können sie für dich beten und dich auf dem Weg, raus aus der Krise begleiten? Und du hast Recht, die Existenz Gottes ist wissenschaftlich nicht einwandfrei bewiesen. Es gab immer wieder Versuche, zum Beispiel von Thomas von Aquin, es gibt ein Haufen christlicher Literatur, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen, doch letztendlich kommt es immer auf den Glauben drauf an. Letztendlich ist Glauben ein Geschenk, die Gnade Gottes. Stell dir mal vor, wir Menschen könnten tatsächlich Gottes Existenz beweisen, dann wäre er irgendwie nicht so wie der Gott, den ich mir vorstelle, allmächtig und unbegreiflich. Wir können Gott nicht beweisen, wir können ihn nur erleben. Und das auch nicht immer zeitgleich. Oft ist es so, dass wir Gottes Nähe, sein Handeln und Wirken erst im Nachhinein begreifen und sehen, dass wir erst rückblickend bemerken, wie Gott uns beistand oder uns verändert hat, wie er uns Menschen schickte, die schwierige Situationen mit uns durchstanden. Und bist du wirklich sicher, dass es den anderen Menschen so viel besser geht als dir? Spüren die nicht vielleicht auch manchmal eine Leere in sich, haben Probleme und Sorgen, die sie nicht abgeben können? Ich wünsche dir, dass du in deiner Umgebung Leute hast, mit denen du über deine Zweifel und Fragen reden kannst und die dich auf deinem Weg begleiten. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Vertrauen, dich erneut auf Gott einzulassen, auch wenn das mit Arbeit verbunden ist.

Hella Thorn studiert Germanistik und Theologie in Bochum, isst furchtbar gern Schokolade und liest gerne viele dicke Bücher.



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