Wenn ich für etwas bete, passiert es dann anders, als wenn ich nicht bete? Ich weiß, dass Gebet irgendwo auch dafür da ist, die Beziehung zwischen Gott und mir zu stärken, wenn ich mit ihm rede. Aber das kann doch noch nicht alles sein, oder?
Das ist eine gute Frage, die du da stellst: Nutzt unser Beten etwas? Manchmal kann man sich das ja wirklich fragen, wenn trotz Gebeten so rein gar nichts geschieht oder sogar das Gegenteil eintritt. Zunächst einmal glaube ich, dass wir immer und zu jeder Gelegenheit beten sollen. In schönen und schwierigen Momenten unsere Gefühle und Wünsche und Bitten vor Gott ausbreiten, wie einen bunten Teppich. Jesus hat uns das vorgemacht. Er hat sich oft zum Gebet zurückgezogen. In der Nacht vor seiner Hinrichtung hatte er Angst zu sterben und bat Gott, überleben zu dürfen. Aber Gott hat sein Gebet nicht erhört. Jesus musste den physischen Tod erleiden. Hat sein Gebet deswegen nichts »gebracht«?
Gott hat sein Gebet anders erhört, als Jesus sich das gewünscht hat. Aber Gott hat mit der Auferstehung auf wunderbare Weise sein Gebet erhört! Das gilt auch für uns. Ich glaube, dass Gott jedes aufrichtige Gebet hört und zu seiner Zeit und auf seine Weise darauf antwortet. Kein Gebet also geht verloren. Ob wir Gott umstimmen können, weiß ich nicht. Natürlich lässt sich Gott nicht manipulieren.
Aber es gibt die erstaunliche Geschichte im Alten Testament, wo Gott mit sich handeln lässt. Sie steht in 1. Mose 18 ab Vers 16. Abraham bittet für die Stadt Sodom, dass Gott seinen Plan nicht wahr macht, sie zu vernichten. Abraham handelt Gott runter. Er sagt: »Du kannst doch nicht die Gottlosen und Gerechten in einer Stadt vernichten.« Gott gibt Abraham Recht und lässt sich von 50 auf zehn Gerechte runterhandeln, die in der Stadt leben sollen, damit er sie nicht vernichtet. Dann heißt es in Vers 33: »Und der Herr ging weg, nachdem er aufgehört hatte, mit Abraham zu reden.« Abraham weiß nicht, ob sein Gebet genützt hat. Da aber Sodom und Gomorra kurz darauf untergehen, müssen wir davon ausgehen, dass es nicht mal zehn Gerechte in diesen Städten gab.
Was denkst du? War es gut zu beten oder nicht? Tatsache ist: Solange man betet, ist man noch nah an Gott dran, und das ist zunächst das Wichtigste. Die Auswirkungen unserer Gebete werden wir in vollem Umfang erst im Himmel erfahren. In diesem Sinne ermutige ich dich zum Beten ohne Unterlass.
help!_Michelle Rath ist Pastorin, liest gern Bücher von Adrian Plass, ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter
Kommentare zu diesem Eintrag: (14 insgesamt)
Die Kommentare spiegeln nicht automatisch die Meinung der Redaktion wider.
BElanna hat (um Uhr) geschrieben:
Re: : »Lässt sich Gott durch Gebete umstimmen?«
Ihr habt nicht, darum, dass ihr nicht bittet.
swift hat (um Uhr) geschrieben:
Re: : »Lässt sich Gott durch Gebete umstimmen?«
Schade, dass dieser interessante Thread im Bereich Jugend gepostet wird. So habe ich den Thread eher zufällig und spät entdeckt.
Meine Gedanken dazu sind folgende.
Was bezwecken wir mit Gebet, oder Stille Zeit.
Ist Gebet ein Instrument um Gott zu versuchen.
In wie weit kann Gott vorhersehen und bezieht unser Handeln in sein Handeln ein.
Satan ist der Fürst der Welt. So heißt es zumindest. In wie fern wirkt Gott in diesem Fürstengebiet.
Der Glaube ist nichts dummes, sondern eine Kraft. Es heißt, der Glaube versetzt Berge. Gebet stärkt den Glauben und damit auch das Wirken. Deswegen ist für mich Gebet kein Umstimmen, sondern ein sich einstimmen, welches durch freies Gebet, oder durch regelmäßiges rituelles Gebet z.B. vor dem Essen, morgendliche Stille Zeit usw., gepflegt werden kann.
In meinem Selbstverständnis ist vieles in meinem Inneren Gebet. Ängste, Nöte, Freude, Liebe, Huldigung der Schöpfung und des Schöpfers usw. Gebet ist also ein integrativer Bestandteil meines Lebens und selbstverständlich sind Rituale und Meditationen eine sinnvolle Ergänzung, oder anders ausgedrückt, ein integratives Moment des Gebets.
Man sollte sich aber nicht wegen Gebetsvorschriften quälen. Nicht jeder Mensch ist dafür geschaffen, dass er morgens seine Stille Zeit macht. Nicht jedem ist es wichtig sich beim Tischgebet vor Augen zu halten, dass Essen ein Geschenk Gottes, als ein Geschenk der Schöpfung ist. Dem einen tut es gut, dem anderen ist es eine auferlegte last. Es gibt viele Wege aus seinem Glauben zu schöpfen.
Die alte Diskussion ob und wie mittelbar, oder unmittelbar Gott wirkt ist eine theoretische Diskussion. Teilweise sind es auch nur Versuche ein Erklärungsmuster für Ereignisse unseres Lebens zu finden, was nicht sinnlos ist. Es fängt erst ab da an problematisch zu sein, wenn man durch diese Erklärungsmuster in eine Realitätsferne abrutscht. Dumm ist dabei allerdings nichts und mir fällt es schwer diesen Wendepunkt ab wann eine Realitätsferne anfängt starr anzusetzen. Ich kann nur für mich festlegen, was mir zu weit geht und was für mich innig stimmig erscheint.
Alle Kommentare ansehen »