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Von außen sieht das Haus aus wie ein Schloss, groß und herrschaftlich, mit hohen Fenstern und weißen Fensterläden. Gleich nebendran ist das Gymnasium. Ein Neubau, modern gestaltet und mit vielen kleinen Nebengebäuden. Herr Dinkel, der stellvertretende Schulleiter, führt mich ein wenig im Gymnasium herum. Dann besuche ich zusammen mit Abiturientin Laura den Biologieunterricht und fühle mich – schwupps – wieder in meine eigene Schulzeit versetzt. Anschließend haben wir aber Zeit, ausgiebig zu quatschen.
Ruheinseln zu Hause
Im Wohnzimmer treffe ich auf eine Mädelsgruppe. Sie erzählen mir ein bisschen, wie das Leben im Internat so abläuft. »Es ist, als würde man sich stückchenweise von zu Hause abnabeln«, findet Laura. Jedes zweite Wochenende ist das Internat geschlossen, sodass die Schülerinnen mindestens zwei Mal im Monat nach Hause zu ihren Eltern fahren können. Denn das Zusammenleben mit so vielen netten Mädels und Freundinnen ist zwar sehr schön, aber oft anstrengend und nervtötend. Im Unterricht sind die Mädchen ebenfalls unter sich. Dass keine Jungs mit ihnen die Schulbank drücken, finden sie aber nicht etwa langweilig, sondern eher entspannend. »Ich mache mir morgens einen Pferdeschwanz und fertig. Da muss man sich keine Gedanken darüber machen, wie man aussieht.«
Alles wird im Internat geteilt
Im Anschluss an unser Gespräch zeigen mir die Mädels das Haus. Sie wohnen in Doppelzimmern, manche sogar zu dritt in einem Zimmer. Es sieht gemütlich aus. Jede Bewohnerin hat ihr Reich individuell mit Wandtatoos, Lämpchen, Kissen und Bildern gestaltet. Viele haben ihre beiden Betten auch wie Ehebetten aneinandergeschoben. »Man darf sich aussuchen, mit wem man in ein Zimmer will«, erzählt Jaqueline. Der Abschlussjahrgang wohnt in einem extra Haus am Rande des Schulgeländes. Dorthin kann man sich zurückziehen, wenn man in Ruhe lernen möchte. Ansonsten gilt: Küche, Bad, Klo, Telefon – alles wird im Internat geteilt. Für jeden der Jahrgänge gibt es einen eigenen, großen Wasch- und einen Duschraum. Unterm Dach steht eine alte, rot angestrichene Telefonzelle mit Sitzkissen und einem Telefon, mit dem man nach draußen telefonieren kann.
Jesus in der Schule
Schulleiter Gronbach ist wichtig: »Ich bin überzeugter Christ und das möchte ich auch weitergeben. Den Glauben kann man niemandem aufzwingen oder durch viel Reden vermitteln. Ich will ihn vorleben und meinen Schülern Werte wie Treue und Vertrauen mitgeben.« Deswegen gibt es auch das Fach Diakonie, verbunden mit mehreren Sozialpraktika in Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten oder Behindertenwohnstätten. Zu vielen Gelegenheiten wie Weihnachten, Ostern oder dem Schulabschluss wird im Gymnasium ein Gottesdienst gefeiert, jeden Morgen wird eine Andacht angeboten und wer mal ein bisschen Zeit für sich braucht, kann sich im Raum der Stille verkriechen. »Wir empfinden das überhaupt nicht als störend «, meint Jaqueline. »Der Glaube wird hier niemandem aufgedrängt und obwohl ich selbst nicht gläubig bin, fühle ich mich sehr wohl hier«. »Laura und ich leiten zusammen den Schülerbibelkreis«, erzählt Anna. »Es läuft aber nicht besonders gut«, fügt Laura hinzu. Doch als ich mittags zu der kleinen Runde des SBK dazustoße, bin ich begeistert, wie gut das Team zusammenarbeitet.
Mit Lehrern unter einem Dach
Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist viel besser und auch intensiver als auf »normalen« Schulen. Das finden sowohl die Schüler als auch die Lehrer. Denn jede Nacht schläft eine andere Lehrerin bei den Schülerinnen mit im Haus und ist Ansprechpartner für deren Schulprobleme und sonstige Sorgen. »Da kann es schon mal sein, dass man abends mit der Lehrerin auf der Matratze sitzt und Mathe lernt«. Auch der Schulleiter wohnt mit seiner Familie auf dem Gelände und so ist es nicht ungewöhnlich, dass man ihn draußen im Raucherhäuschen sitzen und mit den Schülern quatschen sieht.
Mitternachtspartys?
Und wie sieht es nun aus mit dem spannenden Internatsleben? Obwohl die Mädels erst vehement den Kopf schütteln und behaupten, das Leben im Internat sei keineswegs so aufregend, wie man sich das vorstelle, packen sie dann doch aus: Mitte der zwölften Klasse wird das Bergfest gefeiert. Die Hälfte ist schon geschafft! Dann werden die Türen verriegelt und alle Lehrer ausgesperrt und drinnen steppt der Bär. »Beim Bergfest rutschen wir mit den Matratzen die Treppen runter. Der Jahrgang vor uns hat das auch schon versucht, hat es aber nicht hingekriegt. Wir schon!«, berichtet Laura mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. In der Adventszeit findet traditionell das Weihnachtswichteln statt. Aber nicht wie sonst mit kleinen Geschenkchen, sondern mit Geschichten, die man für seinen Wichtel schreibt.
Jederzeit wieder!
Und wie sieht’s mit den strengen Regeln aus, die wir von Hanni und Nanni kennen? Abends um elf beginnt die Nachtruhe, ab und zu muss man beim Küchendienst mithelfen und auch mal den Müll leeren. Das ist manchmal lästig. »Es gibt oft Streit, weil ein Dienst nicht ordentlich erledigt wird«, beschwert sich Julia. »Und dabei müssen wir nun echt nicht viel machen. Das bisschen Tische wischen!«. Alles in allem ist die Atmosphäre im Internat aber sehr freundschaftlich und liebevoll. »Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, in einem Internat zu wohnen?«, will ich wissen. Ich erhalte viele verschiedene Antworten: »Weil alle meine älteren Schwestern und auch meine Mutter schon hier waren.«, »Weil meine Eltern nach Frankreich gezogen sind und wollten, dass ich trotzdem noch eine deutsche Schule besuche.« oder »Weil es hier einen Musikzweig gibt. Ich spiele Geige und würde gerne später Musik studieren.«, aber alle sind sich einig: »Wir würden uns alle jederzeit wieder dafür entscheiden«.
Text_Cadda Conrad wäre am liebsten gleich selbst ins Internat eingezogen, auch wenn sie sich nicht vorstellen kann, mit ihrem Direktor im Raucherhäuschen zu sitzen.
Mehr Infos unter: www.lichtenstern-gymnasium.de
Kommentare zu diesem Eintrag: (3 insgesamt)
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Chrissy2010 hat (um Uhr) geschrieben:
RE: Christliches Internat: Leben wie bei Hanni & Nanni
ich finde diesen artikel sehr gut da ich auch gerne im internat sein würde
maddie95 hat (um Uhr) geschrieben:
RE: Christliches Internat: Leben wie bei Hanni & Nanni
echt voll cool
nur schade das es so weit weg ist und mitten im land...ohne meer :(
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