Samu, hast du eigentlich schon als Kind davon geträumt, einmal auf der Bühne zu stehen?
Als ich ein kleiner Junge war, habe ich das Musikvideo von Bon Jovi’s Lied »You Give Love A Bad Name « gesehen. Als meine Mom mich sah, konnte sie sehen, wie etwas in meinem Kopf »klick« gemacht hatte. Als ich zehn war, habe ich dann mein erstes Schlagzeug bekommen. Aber nach zwei Wochen hat meine Mutter mir eine Gitarre gekauft, weil ihr meine Musikkünste zu laut waren. (lacht) Mir geht es mehr um den Spaß bei der Sache mit den Jungs auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Außerdem war es als Teenager eine gute Freizeitbeschäftigung. So kommt man wenigstens nicht so leicht auf dumme Ideen, wie sich zu betrinken oder ständig auf Partys Mist zu bauen.
Wie hast du die anderen Bandmitglieder kennengelernt?
In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Seit es Sunrise Avenue gibt, gab es 17 Mitglieder. Angefangen hat alles mit Schulfreunden. Als unser Bassist ausgestiegen ist, haben wir einen Neuen gesucht. So kamen immer mal wieder Neue hinzu, Alte sind gegangen. Unseren Gitarristen Riku lernten wir durch die fi nnische Musikbranche kennen.
Einer eurer Fans hat am Anfang eurer Karriere sein Haus verkauft, um euch finanziell bei der Aufnahme eures ersten Albums zu unterstützen. Wie habt ihr auf so viel Großzügigkeit reagiert?
Eigentlich war dies meine Idee. Wir hatten große Schwierigkeiten, ein Label oder einen Produzenten zu fi nden, der uns unter Vertrag nimmt. Als wir dann endlich einen Produzenten gefunden hatten, der mit uns arbeiten wollte, hatten wir kein Geld, um Studioaufnahmen zu zahlen. Deswegen habe ich einen Finanzplan aufgestellt und ein paar Leuten davon erzählt. Ein Freund von uns, der regelmäßig zu unseren Shows kam und viel Werbung für uns gemacht hat, sagte, er wolle uns finanziell unterstützen.
Habt ihr ihm das Geld zurückgezahlt, nachdem ihr so erfolgreich wurdet?
Nein, wir wollen alles Geld für uns behalten und den netten Leuten den Mittelfinger zeigen. (lacht) Nein, nein, der Typ ist jetzt ein Partner unserer Firma, die das ganze Geschäft leitet. Wenn es dann etwas zu teilen gibt, bekommen alle einen Anteil davon.
Wieso machst du Musik? Was motiviert dich?
Ich mag das Gefühl, mit meinen Jungs auf der Bühne Musik zu machen. Ich liebe es, mit der Gitarre auf dem Sofa zu sitzen und zu spielen. Es ist immer schwer, ein gutes Lied zu schreiben und noch schwerer, ein Album voller guter Songs zu produzieren. Aber am Ende sind es die Musik und die Lieder selbst, die mich motivieren.
Was ist das Besondere an eurer Musik?
Als normale Jungs machen wir ganz normale Musik. Es kommt von Herzen, aber da ist nichts extrem Ausgefallenes. Es gibt Leute, die mögen unsere Musik, andere hassen sie sogar. Aber da hat jeder die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Einer eurer Songs heißt »Angels on a rampage« (»Engel machen Randale«). Glaubst du an etwas Übernatürliches?
Ich glaube an mich selbst und muss meinen eigenen Weg fi nden. Ich bestimme meine Welt. Und wenn ich gut mit der Welt umgehe, wird sie mich vielleicht auch gut behandeln. Aber ich denke, dass die religiösen Dinge, mit denen ich aufgewachsen bin, Sinn machen. Wir sollten andere so behandeln, wie wir auch behandelt werden wollen.
Du glaubst also nicht an Gott ...
Ich denke nicht, dass sich irgendjemand um mich kümmert, sondern dass ich mich um mich selbst und um meine Lieben sorgen muss. Aber als ich mal in Spanien gelebt habe, war ich in großen Schwierigkeiten. Meine Großmutter rief mich jede Woche an und sagte, dass sie für mich betet. Der Gedanke ist schön. Ich finde, das ist das Süßeste, was man für jemanden tun kann.
Was ist für dich der Sinn des Lebens?
Das Leben zu leben. Träume deine Träume und versuche, sie zu erfüllen. Mach keine Dummheiten, aber strecke dich nach deinen Träumen aus. Sei fair, ehrlich und arbeite hart. Leb das Leben voll aus! Darum geht’s.
Viele sehen dich als Vorbild, weil du auf der Bühne stehst und berühmt bist. Bist du ein gutes Vorbild?
Ja und nein. Wir wollen als Band natürlich nicht betrunken vor Kindern rumhängen oder Dinge sagen, durch die sie auf dumme Ideen gebracht werden. Jeder hat gute Eigenschaften, von denen man etwas lernen kann. Wir haben alle unsere Ecken und Kanten. Aber ich glaube, ich habe viele gute Eigenschaften. Ich arbeite sehr hart. Ich hoffe, ich bin ein gutes Vorbild.
Wer ist dein Vorbild?
Meine Mama. Sie kam aus einer sehr armen Familie und arbeitete hart. Sie hatte nie Geld. Sie hat ganz allein drei Kinder groß gezogen. Sie ist sehr dankbar für die kleinen Dinge im Leben und ich bin manchmal sogar ein bisschen neidisch auf ihre Ansichten und ihre Lebensweise.
Wie bleibst du bei dem ganzen Rummel auf dem Boden?
Aufmerksamkeit ist nicht immer schön. Es ist schon cool, auf dem roten Teppich zu stehen, wenn alle Fotos von dir machen. Aber es gibt auch schlechte Seiten der Aufmerksamkeit. Man hat nicht viel Privatleben und die Leute wollen immer tief in deinem Leben und deinen Beziehungen wühlen. Aufmerksamkeit in meinem Beruf ist wie ein Anhänger an einem Wagen. Man braucht sie, wenn man bekannt werden will. Aber sie bedeutet mir nicht sehr viel.
Wie findest du zwischen Auftritten, Aufnahmen und Terminen Zeit zum Chillen?
Wenn man so einen Job hat, oder ein eigenes Unternehmen leitet, dann verlangt das viel ab. Ich fi nde, wir sind Glückspilze, das tun zu können, was wir tun. Klar, es ist nicht immer schön, morgens für das »Morgenmagazin« um 5 Uhr aufzustehen, aber das gehört dazu. Man kann nicht immer nur die bessere Hälfte haben. Wenn, dann das ganze Paket. Wir haben nicht die typischen Wochen Sommerurlaub. Aber das vermisse ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich glaube nicht an einen Beruf, den man hasst und in dem man immer nur auf das Wochenende wartet, bevor montags der Albtraum wieder startet. Ich bekomme viel Kraft durch die Dingen, die ich tue. Außerdem tue ich es ja mit den Jungs aus der Band zusammen. Manchmal können die Touren und Trips auch echt entspannend sein. Es geht darum, dein Leben zu leben. Und mein Leben könnte sehr viel schlimmer sein!
Vielen Dank für das Gespräch!
Interview_Magdalena Reeh hat sich besonders darüber amüsiert, dass Samu während des Telefon-Interviews, das sie mit ihm im Rahmen der letzten »Coke Sound Up Show« in Köln führen konnte, Pasta aß!
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