Erzähl doch mal, wie kamst du eigentlich zur Musik?
Laith: Als ich zwölf oder 13 war, wollte ich ein Instrument spielen. Eigentlich fand ich Schlagzeug immer am coolsten und Gitarre irgendwie nützlich, aber ich hab mich dann für Orgel entschieden. Die hat so von allem etwas, ein bisschen Schnick- Schnack, Rumspielerei, Beats ... Zuhause musste ich dann immer an Weihnachten spielen, was ich natürlich getan hab. Später gab’s dann ’ne Schulband. Also eigentlich der Klassiker.
Wie kam dann der Wunsch, dass du das professionell machen willst?
Aus der Not heraus! Die Schulnoten waren einfach zu schlecht (lacht). Ich bin ein fauler Mensch, und Musik zu machen ist für mich nicht anstrengend. Zumindest nur phasenweise. Es ist ganz klar mein Hobby. Und von daher hab ich versucht, das zu verfolgen.
In den letzten vier Jahren war es eher ruhig um dich. Was hast du gemacht?
Eine ganze Platte! Ich hab 2009 eine Coverplatte rausgebracht. Das wollte ich immer mal tun. Allerdings wurde die von den Fans eher skeptisch aufgenommen. Es gab zwar auch eine kleine Tour, die für mich eine der schönsten bisher war, aber die fand medienmäßig nicht wirklich statt. Direkt danach hab ich angefangen, für das neue Album »Der Letzte deiner Art« zu schreiben.
Darauf gibt es den Song »sicher sein«. Was gibt dir Sicherheit in deinem Leben?
Es sind die Menschen um mich herum, meine Frau, meine Familie und ein Stück weit auch der Freundeskreis. Und defi nitiv auch die Musik, weil ich da weiß, dass ich das kann. Das gibt mir Sicherheit. Aber das kleine Stoßgebet, das gibt’s bei mir auch.
Ein anderer Song heißt »wieder tun«. Darin geht es auch um die Gelassenheit beim Scheitern und Fehler machen. Wie hast du es gelernt, gelassener zu werden?
Ich glaub, weil ich keine Alternativen hatte (lacht). Ich hab relativ viele Fehler gemacht, würd ich mal behaupten. Aber viele davon würd ich auch noch mal machen, weil ich die Gewissheit habe, dass alles seinen Zweck hat, was ich tue. Denn letztendlich bestimmen meine Fehler auch, wo ich heute bin. Darum geht’s in dem Song – um Unvernunft und die Dankbarkeit darüber, was einen als Mensch ausmacht.
Was würdest du auf gar keinen Fall wieder tun?
Das ist ganz schwierig … Also ich hatte mal eine Metal-Phase, wo ich mir die Haare auch so nach unten gefönt habe. Ich war großer Iron-Maiden-Fan, mit Sticker und zerissenen Hosen! Ich glaub, ich sah echt aus wie ein Idiot. Aber ich würd’s defi nitiv wieder machen, weil ich das heutzutage eigentlich genieße, ein bisschen unverfroren zu sein ...
Das Motto des Kirchentags war »Da wird auch dein Herz sein«. Verrätst du uns, woran dein Herz hängt?
(überlegt) Kross gebratene Currywurst! (lacht). Nein, auch wenn es pathetisch klingt: Letztendlich schlägt mein Herz für die Liebe.
Ist Liebe auch der Bezug, den du zum Kirchentag hast?
Lustigerweise bekomme ich jedes Jahr mehrere Anfragen von Leuten, die mit mir über die Inhalte meiner Songs sprechen wollen und denen es um den christlichen – oder sagen wir mal – religiösen Bezug meiner Lieder geht. Das ist natürlich reine Interpretationssache, wie so vieles. Die Bibel ist auch Auslegungssache und das fi nd ich schön! Wenn du aus einem Song, der das Thema Liebe zwischen zwei Parteien behandelt, deinen Glauben schöpfst, ist das super. Wenn du dich deswegen selbst mehr magst, ist das toll. Oder wenn du deswegen deinen Mann oder deine Frau mehr magst, ist das auch super. Ja, mir ist das Thema Nächstenliebe eins der wichtigsten.
Was bedeuten dir Religion und Kirche?
Ich hab seit der Einschulung schon durch die verschiedenen Religionsunterrichtsformen gewechselt, weil ich nicht getauft bin. Das ging in der Grundschule mit dem katholischen Religionsunterricht los. Dann hatte ich zwischendurch ein bisschen Ethik und als Prüfungsfach Religion. Mein Papa ist Moslem und meine Mutter war mal Katholikin. Ich hab mich ein bisschen mit dem Thema auseinandergesetzt und tue das auch immer wieder. Momentan diskutier ich z.B. mit meinem Schlagzeuger Dave Mette (Mitglied u.a. von Gracetown, Anm.d.Red.) darüber. Er ist ein junger Christ. Ich fi nde es immer wieder schön zu sehen, wenn sich Glaube irgendwo trifft und Gutes bewirkt. Es gibt schon religiöse Lehrsätze, die mir gar keinen Spaß machen und deswegen versuche ich, das sehr zu trennen. Ich glaube, dass Glaube etwas Tolles ist, aber dass die Kirche das nicht immer unterstützt ...
Glaubst du denn an Gott?
Das ist ne schwierige Frage. (Denkt kurz nach). Ja.
Beschreib mal, wer oder was Gott für dich ist.
Das ist schwer. Für mich hat das viel mit Selbstliebe zu tun. Ich glaube, wenn du zu dir selbst fi ndest, fi ndest zu zwangsläufi g auch zu einer Form des Glaubens an Gott.
An was richtest du die Stoßgebete, von denen du berichtet hast?
Das geht an meine Vorstellung von Gott. Relativ unspezifi sch. Ich fi nd, das muss man nicht benennen.
Du bist Sohn eines Irakers, hast lange in den USA gelebt und bist trotzdem auch ein absoluter Verfechter der deutschen Sprache. Was macht für dich den Reiz des Deutschen aus?
Ich kann keine andere Sprache so gut. Ich bin zwar deutsch-englischsprachig aufgewachsen, aber hier zur Schule gegangen. Arabisch hab ich leider nie gelernt. Meine ganzen Wurzeln sind hier. Mein Verständnis von Ordnung, Nachbarschaft und Gesellschaft ist deutsch und ich kenn die Kniffe und Tricks der Sprache – zumindest teilweise ... Übrigens führe ich seit Jahren Gespräche zu dem Thema, warum man in Deutschland deutschsprachige Musik macht. Das fi nd ich echt erstaunlich. Deutsch ist eine sehr reiche Sprache, alle sehen das ein, außer die Deutschen selbst.
Neben der deutschen Sprache, der Musik und der Liebe – wofür setzt du dich gerne ein?
Boah … (überlegt) … wenn du die Liebe wegnimmst, dann bleibt ja nicht mehr allzu viel übrig, ehrlich gesagt. Man kann dann noch politisch werden. Ich engagiere mich nebenbei für ein paar Projekte, die mir wichtig sind. Das eine ist ein Kinderhospiz und ich mach grad ein bisschen Promotion für Organspende. Nicht zu viel auf einmal, sonst wird’s inflationär, aber die zwei Themen reichen mir grade neben der Musik. Und dafür setz ich mich ein.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Interview_Hella Thorn hat Laith Al-Deen auf dem Kirchentag getroffen.
Kommentare zu diesem Eintrag: (4 insgesamt)
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LukasNM hat (um Uhr) geschrieben:
Re: Laith Al-Deen: »Glaube ist etwas Tolles«
Ja, und Britney Spears ist Christin, weil sie in einer Baptistengemeinde aufgewachsen ist, Dieter Bohlen ist auch Christ, weil er manchmal betet, und der Sänger von "Sunrise Avenue" glaubt zwar nicht an Gott, findet es aber toll, wenn jemand für ihn betet.
Alles tolle Vorbilder im Glauben, die unbedingt heranwachsenden Christen vor die Nase gehalten werden müssen, die noch auf der Suche sind
Es ist ein durchaus interessantes Interview, aber genauso gut hättet ihr jemand porträtieren können, der von seiner Liebe zu Allah erzählt.
theresa-91 hat (um Uhr) geschrieben:
Laith Al-Deen: »Glaube ist etwas Tolles«
laith al-deen ist einer meiner lieblingssänger, die in deutscher sprache singen, weil ich seine stimme und die messages seiner lieder gut finde. ich finde, man kann bei jedem llied heraushören, dass ihm die liebe (die romantische liebe) wichtig ist. deswegen hab ich mich gefreut, dass in der teensmag ein interview war, auch wenn er kein gläubiger christ ist. aber ich habe nicht verstanden, was er genau damit gemeint hat, dass die kirche den glauben nicht immer unterstützen würde.
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