Skatelegende Christian Hosoi Von der Halfpipe auf die Kanzel



Christian Hosoi kann skaten, bevor er läuft. Skateboarding wird seine große Leidenschaft und er hat so viel Talent, dass ihm alle Türen offen stehen zu einem Leben, von dem andere nur träumen. Er ist schon erwachsen, als ihn schließlich die Realität einholt und er für Drogenbesitz ins Gefängnis kommt. Dort findet er Gott. Aber bis dahin ist es ein langer Weg …

Es ist das Jahr 1967 in einem Ort in der Nähe von Hollywood, Kalifornien. Christian Hosoi ist noch nicht einmal ein Jahr alt und rollt schon auf einem Skateboard über den Küchenboden. Natürlich hat sein Vater ihn draufgesetzt und angeschoben. Das ist wenige Jahre später nicht mehr nötig. Christian entdeckt seine Leidenschaft für den damals gerade erst auflebenden Sport sehr früh. Seine Familie wohnt inzwischen in Venice Beach, Los Angeles und man nennt das Skaten damals noch Bordsteinsurfen. Die Gegend um Los Angeles wird zum Mittelpunkt der Skateboardkultur und Christian ist mittendrin.

 Als er zehn Jahre alt ist, eröffnet nur ein paar Kilometer weiter ein großer Skatepark, wo Christian seine ganze Freizeit verbringt. Sein Vater unterstützt ihn dabei, indem er als Geschäftsführer für den Skatepark arbeitet. Ivan Hosoi ist eigentlich Künstler und macht vieles anders, als die meisten Väter. Zum Beispiel raucht er Hanf und bringt seinem Sohn bei, wie man sich einen Joint dreht, als der erst acht Jahre alt ist. Da sein Vater genauso lebt und nichts dagegen hat, wird es für Christian völlig normal, Joints zu rauchen. Einen Großteil seines Tages verbringt er high. Im Skatepark rauchen alle. Die erfolgreichen Jungs genauso wie die, die nicht so gut sind. Es gehört einfach dazu, Christian sagt: »Für Skater ist Gras wie die Luft zum Atmen«. Zweimal wird Christian festgenommen, weil er beim Hanfrauchen erwischt wird. Damals ist er 15. Sein Vater holt ihn vom Polizeirevier ab, aber er schimpft nicht. Alles, was er auf der Heimfahrt sagt, ist: »Lass dich einfach nicht erwischen, Blödmann.«

 Hanf ist nicht die einzige Droge, mit der Christian früh anfängt. Mit 12 Jahren nimmt er zum ersten Mal LSD. Einen Kick geben ihm auch das Skaten und die Menge, die ihn anfeuert – vor allem die Mädels. Mit dreizehn hat er zum ersten Mal Sex. Christian hat aber nie eine feste Freundin, weil es ihn reizt, mit vielen verschiedenen Mädels rumzumachen.

Goldene Zeiten

 Währenddessen könnte es sportlich für ihn nicht besser laufen. Mit 14 wird er endlich ins Profiteam seines Sponsors aufgenommen und verdient von da an viel Geld. Die Wettbewerbe laufen gut, er wird meistens Zweiter hinter Tony Hawk. Manchmal besiegt Christian ihn aber auch. Er erfindet Tricks die legendär werden wie den Rocket Air und den Christ Air, bei dem er in der Luft mit augestreckten Armen die Haltung von Jesus am Kreuz einnimmt, obwohl er damals noch gar nichts von Gott weiß. Dass er täglich raucht und sich die Nächte mit Partys in Clubs um die Ohren schlägt, scheint ihm und seiner Karriere nicht zu schaden. Seit er in der zehnten Klasse die Schule abgebrochen hat, kann er den ganzen Tag auf dem Brett stehen. In den nächsten Jahren wird er immer berühmter und als einer der wenigen Skateboarder sogar im Ausland bekannt. Er gewinnt Wettbewerbe in Brasilien, Japan und den Titus World Cup in Deutschland.

Einbruch

 Es ist Anfang der 90er Jahre. Die ganze Szene und die Skatboardindustrie verändern sich so sehr, dass Christians Sponsor pleite geht. Das verändert sein ganzes Leben, nie hat er etwas anderes gemacht als zu skateboarden. Er fängt an, Chrystal Meth zu nehmen, eine sehr intensive Droge, die schnell abhängig macht. Von der Öffentlichkeit zieht Christian sich zurück und nachdem er für Drogenbesitz einige Tage ins Gefängnis musste, flüchtet er von Ort zu Ort, schläft bei Bekannten und geht alten Freunden aus dem Weg. Sein Leben besteht weiter aus Party, Frauen und Drogen. Zehn Jahre lang vegetiert er vor sich hin, hat immer noch kein Geld, nimmt nicht an Wettbewerben teil. Eines Tages lernt Christian Jennifer kennen und verliebt sich in sie. Sie ist Tänzerin in einem Nachtclub und wie er von Chrystal Meth abhängig. Nach einer schlimmen Erfahrung mit einer Freundin möchte sie aber die Drogen aufgeben und beginnt außerdem, mit ihrer Großmutter in die Kirche zu gehen.

Schwedische Gardinen

 Dann passiert es: Im Januar 2000 fliegt Christian – wie schon so oft in seinem Leben -- nach Hawaii. Diesmal wird er am Grenzübergang aber mit Drogen erwischt und kommt ins Gefängnis. Zum ersten Mal in seinem Leben sitzt er so richtig fest. In seinen Worten: »Endlich hatte ich genug Ruhe, auf das zu hören, was Gott mir zu sagen hatte. Ich stand nicht unter Drogen, wenn auch nicht freiwillig.«

180°-Wendung

 Im Gefängnis beginnt er die Bibel zu lesen. Er bleibt im ersten Buch der Könige hängen und liest die Geschichten von Salomo. Es beeindruckt ihn, dass selbst der weiseste Mann der Welt den gleichen Versuchungen verfallen war wie er: Lust, Gier und Anerkennung. Das Buch öffnet ihm die Augen und er versteht, dass ihm etwas fehlt: »Ich wuchs in der Überzeugung auf, ich sei besonders und unschlagbar, ich hätte es voll drauf im Leben. Jetzt verstehe ich, dass ich nicht mal mehr eine eigene Identität und absolut keine Ahnung hatte, worum es im Leben geht.«

 Die Bibel wird sein fester Begleiter und durch seine Freundin telefoniert er mit dem Pastor aus ihrer Gemeinde, der ihm und Jennifer mehr von Jesus erzählt. Am Telefon geben die beiden ihr Leben Jesus und für Christian verändert das alles: »Das erste Mal in meinem Leben hab ich das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist, als ich selbst. [...] Gott wurde mir wichtiger als mir meine Leidenschaft für Skateboarden, Drogen, Mädels und mein Rock-Star-Leben jemals gewesen waren. [...] Da sitze ich auf meinem dreistöckigen Etagenbett, das erste Mal in meinem Leben wirklich erfüllt.«

 Durch einen Anwalt kann Christian seine Gefängniszeit halbieren. Er sitzt die Strafe aber nicht einfach ab, sondern nutzt sie, so gut er kann: holt seinen Schulabschluss nach, liest in der Bibel, engagiert sich in seinem Gefängnis, spricht mit Mitgefangenen über Gott. Er heiratet Jen und sogar seine Eltern bekehren sich. Gott verändert alles von Grund auf.

Zweite Chance

 2004 wird Christian entlassen. Für ihn ist nichts mehr, wie es einmal war. Er hat eine Familie, die in den folgenden Jahren noch wächst, vor allem aber hat er echte Hoffnung und Freiheit gefunden. Eine Freiheit, die er nicht für sich behalten kann. Er kehrt zurück zum Skateboarden und erfährt darin Gottes Führung. Sein Freund, der Ex-Skater und Pastor Jay Haizlip hat Ähnliches erlebt und nach seiner Bekehrung die Kirche »The Sanctuary« gegründet.

 Christian fängt dort als Outreach- Pastor an. Er macht es sich zur Aufgabe, einen Gefängnisbesuchsdienst aufzubauen, nach den Gottesdiensten Essen auszuteilen, Strandgottesdienste und natürlich Skateboardevents zu organisieren, bei denen er predigt. Auf internationalen Wettbewerben gewinnt er wieder Preise und erzählt in Interviews von seinen Erlebnissen. Denn er weiß: »Während so viele Skater verloren sind, ist es die Verantwortung von uns, die wir die Wahrheit kennen, diese Leute zu erreichen, die gute Nachricht zu predigen und sie zu lieben.«

Text_Carolin Schanz versucht sich gerade am Wakeboarden und hat mit viel Spaß die Biografie von Christian Hosoi gelesen.


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