Ungewollt schwanger

„Sie hat mich betrogen! So nüchtern muss ich das sehen. Ihre Ausrede hätte ein bisschen glaubwürdiger rüberkommen können. Schwanger vom Heiligen Geist! Mann, warum steht sie nicht wenigstens zu dem Mist … Ich liebe diese Frau. Warum tut sie mir das an?“

So stelle ich mir Josefs Gedankenwelt vor, kurz nachdem Maria ihm eröffnet hat, dass sie schwanger ist. Das Signalwort für Josef ist „schwanger“. Nicht „Sohn Gottes“, nicht: „Jetzt hör mir doch mal zu!“, nicht: „Ich sage dir die Wahrheit!“

Schwanger, obwohl zwischen den beiden nichts gelaufen ist. Schade, dass von diesem Gespräch nichts in der Bibel steht. Das klingt dort alles so sachlich:

Die Geburt Jesu Christi geschah aber also: Als Maria, seine Mutter dem Josef vertrauet war, erfand es sich, eher er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. (Matthäus 1,18-19)

Das war es. Der Zwischendialog, in dem die Bombe platzt, wird ausgespart. Und dann geht’s noch weiter. Lass dir folgende Verse mal auf der Zunge zergehen:

Als er das noch bedachte, siehe, da erschiehn ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt wurde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht ‚Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben,‘ das heißt übersetzt: Gott mit uns.“ Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. (Matthäus 1,20-24)

Ich kann mir schwer vorstellen, dass Josef dieses krasse Erlebnis einfach so weggesteckt hat. Aber warum steht es dann nicht da? Aus Platzmangel? Oder darf ich mich als Bibelleser selbst mal damit auseinandersetzen und meinen Gedanken freien Lauf lassen? Ich probiere genau das seit einiger Zeit aus. Und es hilft mir, einen besseren Zugang zu den Hauptdarstellern des Bestsellers Bibel zu bekommen. Denn wenn ich mich ehrlich mit den Texten der Bibel auseinandersetze und mich frage: Wie hätte ich an der Stelle reagiert? Oder: Wieso tut er das?, lasse ich die Inhalte näher an mich heran. Dann wird biblische Geschichte lebendig.

Zum Beispiel bei Josef. Er steht letztendlich zu Maria. Obwohl er nicht sofort kapiert hat, was da abgeht. Er vertraut Gott. Und Gott vertraut ihm seinen Sohn an.

 

Wie würdest du die Weihnachtsgeschichte „aufpimpen“? Welche Gedanken hatten Josef und Maria wohl sonst noch? Lass die Weihnachtsgeschichte noch lebendiger werden, indem du dir z. B. die Gefühle der beteiligten Personen vorstellst.

 

_Dieser Text ist ein Kapitel aus dem Buch von Daniel Schneider „Ich glaub an dich. – Gott / 52 Begegnungen der besonderen Art“, erschienen bei SCM R. Brockhaus, € (D) 9,95 | € (A) 10,30 | CHF 14.90 (bestellen kannst du es übrigens hier.) Ein ausführliches Interview mit Daniel Schneider, der als Radiomoderator seine Andachten nicht nur als Buch aufgeschrieben hat, sondern sie regelmäßig im Radio vorliest, findest du in der aktuellen teensmag t1/15 (Seite 48-49).

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