verknallt | Du und ich – Beziehungstipps

Jana und Tobi sind schon lange zusammen. In dieser Zeit mussten sie vieles lernen und wissen nun ziemlich viel darüber, was eine gute Beziehung ausmacht.

 

Bevor Jana und ich uns kennengelernt haben, waren wir beide viele Jahre Single gewesen, hatten aber auch jeweils unterschiedliche Beziehungserfahrungen gesammelt. Seitdem haben wir ziemlich viel miteinander erlebt und gelernt. Vieles dabei war nicht wie in den romantischen Hollywoodschnulzen. Und vieles war um einiges schöner. Und dass, was wir gelernt haben, haben wir dadurch gelernt, dass wir oft es erst mal falsch gemacht haben. Hier haben wir das, was wir gelernt haben, in 10 Punkte zusammengefasst.

 

1. Wir sind nicht nur Geist, aber auch nicht nur Körper

Tobi: Hilfreich war für uns das Bild von einem gleichseitigen Dreieck, das unsere Beziehung als Körper, Seele und Geist darstellt. Im Optimalfall sind alle drei Bereiche gleich stark ausgeprägt. Wir versuchten, uns in allen drei Bereichen nach und nach kennenzulernen und einander zu vertrauen. Dabei merkten wir schnell, dass wir dem Bereich »Körper« meistens ziemlich schnell viel mehr Raum und Aufmerksamkeit schenkten als dem Rest. Also fragten wir uns warum wir körperlich schon so intim sein können, uns aber nicht unsere seelischen Verletzungen erzählen, oder gemeinsam Lobpreis machen können. Als Ergebnis steckten wir uns neue körperliche Grenzen und vereinbarten Zeiten, in denen wir einfach nur quatschten oder zusammen beten lernen wollten. Unser Dreieck war, glaube ich nie gleichseitig, sondern hatte immer irgendeine Schlagseite. Aber das Bild half uns, uns in allen Bereichen nach und nach zu entdecken, einander wertzuschätzen und die Grenzen des anderen zu achten.

 

2. Lerne eigene Bedürfnisse zu äußern

Jana: Kein einfacher Punkt – die eigenen Bedürfnisse äußern. Denn das setzt voraus, dass man erst einmal in sich selber reinhören lernt, was man denn gerade braucht. Erst, wenn ich mich selbst verstehe und weiß, was mir jetzt gerade guttun würde, warum ich so verletzt oder genervt reagiere, kann ich dem anderen sagen, wie ich mir wünsche, behandelt zu werden. Das musste ich wirklich lernen und dann auch den Mut haben, es Tobi zu sagen und keine Angst zu haben, dass er mich für furchtbar anstrengend hält. Ich darf mich dem Anderen zumuten. Genauso muss ich aber auch lernen, die Bedürfnisse des anderen zu hören und sie nicht als Kritik zu sehen, sondern als Wunsch an mich und ein ganz intimes Öffnen der Seele meines Partners.

 

3. Verändere dich, nicht den anderen

Tobi: Ich fand Jana schon super toll, aber in vielem entsprach sie nicht meinen Traumvorstellungen und so war ich ständig dabei, sie ein bisschen verändern zu wollen. Sie sollte sportlicher sein, risikofreudiger, sich mehr schminken, ein paar coolere Klamotten haben usw. Allerdings habe ich dadurch viel Vertrauen kaputtgemacht und zum Glück war sich Jana irgendwann zu schade für diesen Mist. Denn sie ist es nicht wert, nur ein bisschen geliebt zu werden. Ich musste mir überlegen, ob ich sie so lieben konnte und annehmen wollte wie sie war. Wir können uns Veränderung wünschen, aber wir müssen die andere Person so annehmen und lieben, wie wir sie ist!

 

4. Bleibe Du!

Jana: Tobi war schon immer einer schillernde Persönlichkeit. Ich musste lernen, nicht in seinem Schatten zu stehen. Ich muss nicht die tolle, unkomplizierte Freundin sein, die sein Tempo und sein Leben mitlebt. Darum haben wir uns nach unserer gemeinsamen Ausbildung bewusst entschieden, ein Jahr Fernbeziehung einzulegen. Zum einen, um an zwei verschiedenen Orten unsere Gaben auszuleben und gesehen zu werden und zum anderen, um zu merken, dass man auch ohne den anderen den Alltag, die Arbeit und Freunde meistern kann. Bewahre dir Zeit für dich, deine Hobbys und deine Freunde – gib nichts unüberlegt auf.

 

5. Sei kompromissbereit!

Tobi: Wahrscheinlich habt ihr euch ineinander verliebt, weil ihr unterschiedlich seid. Und das ist super! Aber das bringt es mit sich, dass ihr immer wieder andere Dinge wollt, als der andere, Dinge anders seht, oder euch anderes wünscht. Manchmal ist es dran, nachzugeben, manchmal auf seinem Standpunkt zu beharren. In den meisten Fällen kommt ihr aber nur weiter, wenn ihr beide bereit seid, vom eigenen Standpunkt aus auf den anderen zuzugehen.

 

6. Lernt streiten!

Jana: O je, streiten. Das war für mich immer schlimm. Tobi feuerte bei schwierigen Themen oft seine Eindrücke und Argumente ab und ich musste lernen, meine Sicht der Dinge schnell zu finden, mich kurz zu hinterfragen, wieso ich so gehandelt habe und dann mutig meinen Stand verteidigen. Klingt einfach, war es aber nicht. Die ersten Male schwieg ich nur. Wenn Tobi etwas Negatives ansprach, kullerten Tränen und ich hatte Angst, er verlässt mich deswegen. Das war total unpassend, aber meine erlernte Denkweise. Heute geht das schon viel besser! Traut euch zu streiten, aber denkt an den Ton und stellt euch mal die Frage, wir ihr das von zu Hause so kennt.

 

7. Schuld ist nie nur der andere

Tobi: Am Ende eines Streits war bei uns meistens klar: Jana war schuld! Warum? Weil ich schneller argumentieren konnte – nicht weil ich Recht hatte! Nachdem Jana aber genug Zeit hatte, die Angelegenheit für sich zu reflektieren, wurde klar: Meistens lag es doch an mir. Und auch an ihr. Ich musste lernen, meine Fehler zuerst zu sehen, bevor ich die Schuld bei Jana suchte. Das half uns sehr in unserem Streiten und ebnete den Weg, um uns wieder zu versöhnen.

 

8. Lernt vergeben, und um Entschuldigung zu bitten

Jana: Es wird immer wieder passieren, dass ihr euch bewusst oder unbewusst verletzt. Denkt daran, der andere kann eure Wünsche und Gedanken nicht automatisch erkennen, man muss dem Partner Zeit geben, einen kennenzulernen und dabei immer wieder die eigenen Bedürfnisse erklären. Daher ist es unheimlich wichtig, zu vergeben, wenn ihr verletzt werdet. Unterstellt dem anderen keine böse Absicht und seid bereit, selbst um Entschuldigung zu bitten. Das ist super schwer, aber die Versöhnung danach umso schöner.

 

9. Seid verrückt!

Tobi: Beziehungsalltag ist was Schönes, kann aber auch ein Beziehungskiller sein. Also denkt euch etwas aus, seid kreativ füreinander und macht verrückte Dinge, über die ihr noch lange lachen und schwärmen könnt.

 

10. Zu zweit in Gemeinschaft sein

Jana: Na klar verbringt man in den ersten Wochen viel Zeit zu zweit – verabredet sich, quatscht und knutscht und denkt die Welt dreht sich nur um einen selbst. Das ist wundervoll – denkt nur daran, dass ihr bald eure Freunde wieder in euer Leben lasst. Schaut mal, wo ihr den anderen mit eurem Freundeskreis bekanntmachen könnt, denn nichts ist cooler, als auch gemeinsame Freunde zu haben, mit denen man Zeit verbringt und zu erleben, wie euer Partner mit anderen umgeht.

 

11. Seid Träumende

Tobi: Der Alltag ist manchmal hart genug. Also setzt euch mit einem Eis auf ein Dach und träumt! Über eure gemeinsame Zukunft, eure Lebensziele und Wünsche. Das schweißt zusammen und ihr lernt euch besser kennen.

 

12. Der Partner ist nicht alles

Tobi: Jana ist nicht alles für mich! Und das darf sie auch nie werden, denn sonst würde ich sie total überfordern. Sie kann nicht mein bester Freund, die Spaßkanone an meiner Seite, mein Sportkamerad und die Person sein, mit der ich mich über Politik austausche. Ich brauche auch als Mensch in einer Beziehung meinen Freundeskreis – um meinetwillen und um Janas willen.

 

13. Keine Masken!

Tobi: Seid mutig und legt in eurer Beziehung mehr und mehr eure Masken ab und werdet ehrlich. Ich hatte am Anfang Angst, dass sich Jana in ein Bild von mir verliebt und dann die Beziehung vielleicht beendet, wenn sie rausfindet, wie ich wirklich bin – nämlich nicht so toll, wie sie dachte. Also habe ich versucht, ihr mutig mein wahres Gesicht zu zeigen. Das war wichtig, denn so konnte sie sich entscheiden, ob sie mich will oder nicht. Und ich habe gelernt, dass ich vor ihr ehrlich, echt und auch schwach sein kann. Das war unglaublich wertvoll.

 

14. Sucht euch Rat!

Jana: Sucht euch ein Paar, das älter und erfahrener ist und dem ihr vertrauen könnt. Fragt sie, ob ihr sie und ihre Erfahrung anzapfen und sie immer mal wieder um Rat fragen dürft, oder auch zusammen mal zum Abendessen vorbei kommen könnt um über eure Beziehung zu quatschen. Das tut gut und ist ein großer Schatz!

 

Riskiert etwas

Bei all dem gilt: Beziehungen sollten immer Ernstcharakter haben, weil sie immer echt sind. Sie sind nie Probe – auch wenn ihr euch vielleicht nicht heiraten werdet. Der Partner und seine Gefühle sind immer echt und kein Computerspiel. Deshalb: Nimm die Beziehung nicht zu leicht! Geht vorsichtig mit euren Körpern und euren Herzen um. Aber riskiert auch mal etwas, denn Beziehung hat immer etwas mit Vertrauen ins Ungewisse zu tun.

 

Scheitern erlaubt

Und weil Beziehungen immer Risiko bedeutet, dürfen sie auch scheitern. Wir sind mit dem Partner gemeinsam unterwegs und auf dem Weg kann sich herausstellen, dass es irgendwo eine Kreuzung gibt, an dem sich unsere Wege trennen. Das ist schmerzhaft, aber manchmal besser. Auch während der Ehe wird es immer wieder Kreuzungen geben, an denen der eine einen anderen Weg einschlagen könnte. Doch dann habt ihr euch versprochen, über jede Kreuzung gemeinsam zu gehen. Vorher gibt es dieses wertvolle Versprechen noch nicht. Deshalb: Geht gemeinsam und entscheidet an jeder Kreuzung neu.

_Jana und Tobi sind seit 2008 verheiratet und im Mai Eltern geworden.

 

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