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25 Jahre Mauerfall | Was wäre, wenn …

9. November 2014/0 Kommentare/in Redaktions-Blog/von teensmag-Redaktion

Heute feiern wir den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren. Ein bedeutsamer Tag für Deutschland. Und ein bedeutsamer Tag für mich.

Ich bin wurde geboren, als die Mauer noch stand, als es noch Ost und West gab. Das Licht der Welt erblickte ich in Leipzig, in der Deutschen Demokratischen Republik. Als die Mauer fiel war ich noch klein – verschwommen und diffus sind meine Erinnerungen an meine Kinderjahre. Aus Erzählungen weiß ich, dass ich auf den Schultern meiner Eltern sitzend bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig mit dabei war. Ich habe gehört, dass meine Eltern, meine Onkel und Tanten mich und meine Cousins zu den Großeltern gegeben haben, als es für die Stadt Leipzig an einem Montagabend einen Schießbefehl gab. Wenigstens wir Kinder sollten sicher sein und im Fall der Fälle gut versorgt werden. Es geschah nichts. Gott sei Dank.

Von der Deutschen Demokratischen Republik habe ich nicht viel mitbekommen. Doch jedes Jahr am 09.11. stelle ich mir die Frage: Was wäre, wenn …? Was wäre mit mir geschehen, wenn die Mauer nicht gefallen wäre? Wer wäre ich? Wie würde ich leben?

Ich hätte nach meiner Kinderkrippen- und Kindergartenzeit die „normale“ staatliche Schullaufbahn eingeschlagen.

Ich wäre Thälmann-Pionier und Mitglied der Freien Deutschen Jugend (kurz FDJ) geworden.

Ich hätte Gott niemals kennengelernt – wer hätte mir von ihm erzählen sollen?

Ich wäre statt zur Konfirmation zur Jugendweihe gegangen.

Ich hätte meine erste Levis-Jeans vermutlich nicht schon mit dreizehn Jahren bekommen – geschweige denn andere „West-Klamotten“.

Ich würde nicht wissen, wie lecker Milka-Schokolade schmeckt.

Ich wäre in den Urlaub nicht nach Schweden, Spanien, Frankreich oder gar Thailand, Costa Rica oder Amerika gefahren, sondern nach Ungarn, an die Ostsee, nach Tschechien.

Ich hätte vermutlich kein Abitur machen dürfen.

Ich hätte nicht studieren dürfen.

Ich hätte niemals all die tollen Bücher lesen können, die ich in meinen Leben bisher verschlungen habe.

Ich hätte niemals meinen Mann kennengelernt, der in Westdeutschland aufgewachsen ist.

Ich würde nicht im Ruhrgebiet – tief im Westen Deutschlands – leben.

Ich wäre niemals teensmag-Redakteurin gewesen, hätte nicht erleben können, wie großartig es ist, diesen Beruf zu haben, hätte nicht gemerkt, wie Gott mich für diesen Job gebraucht und wie wertvoll es ist, dass teensmag raus ins Land, raus in die Welt, geht.

Ich wäre nicht die, die ich heute bin.

Ich wäre eine andere …

Wenn ich so darüber nachdenken, spüre ich, wie Wellen der Dankbarkeit mich umspülen. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich habe. Ich bin dankbar für die vielen fantastischen Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin, ich bin dankbar für den Weg, den Gott mit mir geht.

Sicherlich hätte ich auch als Bürgerin der DDR viel gelacht, und genauso viel geweint und getrauert wie ich es in meinem Leben bisher getan habe. Und sicherlich wäre auch mir auch irgendetwas geworden. Nichts besseres, aber auch eben nicht zwangsläufig etwas schlechteres.

Ich bin die, die ich bin, weil ich das Leben lebe, das Gott mir geschenkt hat.

Daran denke ich jedes Jahr am 09.11.

Woran denkst du?

_Hella Thorn findet, dass der 09.11. auf jeden Fall ein Tag zum Feiern ist. Auch Henry ist im Osten Deutschlands geboren und aufgewachsen. Als die Mauer fiel war er gerade mal 14 Jahre alt. Wie er die Wendezeit erlebt hat, kannst du in der teensmag 6/14 nachlesen.

 

 

Schlagworte: 09.11.1989, Fall der Mauer
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