jobreport | Schreiner

Eine seiner schönsten Kindheitserinnerungen ist der Tag, an dem Sven mit seinem nigelnagelneuen Taschenmesser und seinem Papa losgezogen ist, um den ganzen Nachmittag lang im nahegelegenen Wald Baumhäuser zu bauen. Heute arbeitet Sven wieder mit Holz. In seinem Beruf als Schreiner.

 

Gut sieht er aus. Der neue Tisch. Ein perfekter Esstisch für die ganze Familie. Gefertigt aus hochwertigem Eichenholz. Der war garantiert nicht billig. Dafür steht so ein Tisch auch nicht noch in hundert anderen Haushalten rum. Er ist ein Einzelstück. Individuell angefertigt. Massiv, robust, mit Materialien aus der Region. Der hält ewig!

 

Von der Skizze zum Möbelstück

Damit der Tisch das Esszimmer seiner Auftraggeber schmücken kann, musste zunächst in einem Vorgespräch genau geklärt werden, wie groß der Tisch sein soll, aus welchen Materialien er bestehen könnte und wie er konkret aussehen wird. Nach diesem Gespräch wurde eine grobe Skizze des Möbelstücks angefertigt. Jetzt kommt Sven ins Spiel: Er überlegt sich, wie die fachliche Umsetzung der Kundenwünsche aussehen könnte. Müssen – zum Beispiel für einen Schrank – Scharniere oder Schlösser bestellt werden? Ist das entsprechende Holz vorrätig oder muss auch das geordert werden? Aus der groben Skizze fertigt er eine penible Zeichnung an, aus der er die Maße für die einzelnen Bauteile ablesen kann. Mit diesem »Papierkram« ist er auch schon mal einen ganzen Tag beschäftigt. Doch wenn alles bestellt, gezeichnet und vorbereitet ist, geht es richtig los: Aus dem Holz schneidet Sven mit einer großen Tischsäge die entsprechenden Stücke ab. Wenn Elemente speziell beschichtet oder lackiert werde sollen, wie das zum Beispiel bei Arbeitsplatten für die Küche der Fall ist, muss das natürlich vor dem Zusammenbauen geschehen. Und so schneidet, sägt, schleift, feilt, lackiert und beschichtet er die einzelnen Bauteile. Mithilfe einer CNC-Maschine, einer computergestützten Fräs- und Bohrmaschine, werden die Verbindungselemente hergestellt. Schließlich muss die Tischplatte am Ende ja auch auf die Tischbeine passen. Nichts darf wackeln. Sind alle Teile fertig, bauen Sven und seine Kollegen das Möbelstück schon mal in der Werkstatt auf, um zu überprüfen, ob wirklich alles so passt, wie es soll. Ist das der Fall, wird wieder abgebaut. Die Einzelteile werden zum Kunden gebracht und vor Ort erneut zusammengebaut.

 

Schreiner, Tischler, Zimmermann

Schreiner oder Tischler arbeiten, im Gegensatz zum Zimmermann, mit allem, was später einmal im Innenraum eines Zimmers, einer Wohnung oder eines Hauses sein wird. Der Zimmermann kümmert sich um den Außenaufbau, also Holzkonstruktionen zur Erbauung von Häusern, den Dachstuhl, baut aber auch Treppen oder Brücken. Schreiner und Tischler bauen Schrankwände und Einbauschränke, erstellen individuelle Möbelstücke, schaffen Stauraum in kleinen und verwinkelten Räumen oder fertigen Holzböden nach Maß an – inklusive Anbringung der Sockelleisten. Eine Arbeit, die Sven nicht so gut gefällt: »Das ist bei vielen die meistgehasste Arbeit, weil es sehr aufwändig ist und man ständig auf den Knien rumrutscht.« Zum Glück ist das aber auch das einzige, was Sven an seinem Job nicht gefällt. Er ist begeistert von dem Werkstoff Holz, aus dem man so viele tolle Sachen machen kann, der Arbeit mit den Geräten und in einem tollen Team. Jeder Auftrag ist anders. Jeder Kundenwunsch ist eine neue Herausforderung. Und jeden Tag ist eine Menge Kreativität gefragt: »Durch die verschieden Holzarten, die unterschiedlichen Beschichtungen und die große Auswahl von Farben zum Lackieren sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt«, findet Sven. Außerdem reagiert jede Holzart anders auf Wasser, Licht und die Verarbeitung – das muss bei der Konzeption im Vorhinein schon bedacht werden.

 

Das muss man können

Wie gut, dass das unter anderem Bestandteil der Ausbildung ist: Vor allem im ersten Jahr » werden Grundkenntnisse von verschieden Werkstoffen, die wir verarbeiten, vermittelt sowie in überbetrieblichen Lehrgängen der Umgang mit Holz und verschiedenen Werkzeugen erlernt«, erklärt Sven. In den Betrieben, also den Werkstätten lernt man vor allem den Umgang mit den großen Maschinen: Kreis- und Tischsägen, CNC-Maschinen oder Hobelmaschinen. Am Ende der Ausbildung muss ein eigenes Möbelstück konzipiert und angefertigt werden, neben den Prüfungen über das theoretische Fachwissen. Neben guten Noten in Mathe und Deutsch zählen bei der Ausbildung besonders die handwerklichen Fähigkeiten, Grundkenntnisse im Umgang mit verschiedenen Werkstoffen sowie eine hohe Teamfähigkeit und motorisch-koordinative Fähigkeiten. Sven fügt an: »Man sollte keine zwei linke Hände haben. Zudem ist es wichtig, eine schnelle Auffassungsgabe und Spaß an körperlicher Arbeit zu haben.« Und dann steht den ersten eigenen Aufträgen auch nichts mehr im Wege. Sven hat erlebt: Der Spaß bei der Arbeit, kommt bei der Arbeit: »Als ich meine ersten eigenen Aufträge bekommen habe, habe ich gemerkt, dass der Job der richtige für mich ist. Ich konnte endlich eigene Ideen einbringen und mir meine Arbeit einteilen – das bedeutet, mehr Freiheiten zu haben aber auch mehr Verantwortung.« Wenn die Kunden zufrieden sind und vielleicht sogar ein Trinkgeld springen lassen, dann hofft Sven, dass noch mehr Leute, den Wert einer guten Schreinerarbeit zu schätzen lernen und in gute und langlebige Möbel investieren.

Text_Hella Thorn findet Pumuckl und den Schreinermeister Eder toll.

 

 

Ausbildungsinfos zum Schreiner bzw. Tischler

Deutschland

Dauer// Drei Jahre; Verkürzung auf zweieinhalb ist möglich

Voraussetzungen// Mind. Hauptschulabschluss, handwerkliches Geschick, logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Grundkenntnisse im Anfertigen von Skizzen,

Gehalt// Zwischen 483 € im ersten Jahr und 744 € im dritten Ausbildungsjahr

Weiterbildung// Berufliche Zusatzqualifikationen sind möglich sowie die Weiterbildung zum Meister und Ausbilder

Infos// http://bit.ly/1g36c0V; http://www.tischler-schreiner.de/infos-aus-der-branche/der-beruf/ausbildung/

 

Österreich

Dauer// Drei Jahre in Form einer dualen Ausbildung in Schule und Betrieb

Voraussetzungen// Abgeschlossenes 9. Schuljahr sowie die allgemeinen Voraussetzungen für die Lehre in Österreich

Gehalt// Das ungefähre Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt bei 1.600 Euro.

Weiterbildung// Eine Spezialisierung für verschiedene Arbeitsbereiche ist nach dem Facharbeiter oder Meistertitel möglich

Infos// http://www.tischler.at/lehre/lehrberufe/326, http://www.proholz.at/genialeholzjobs/lehre/tischlerin/ http://www.bic.at/berufsinformation.php?tab=1

 

Schweiz

Dauer// Vier Jahre in einer Werkstatt und einer Fachschule

Voraussetzungen// Abgeschlossene Volksschule, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, logisches Denken, körperliche Beweglichkeit, Gesundheit

Gehalt// Der Mindestlohn liegt im ersten Berufsjahr nach der Ausbildung bei rund CHF 4.000

Weiterbildung// Zimmermann, Zeichner, Fertigungsspezialist, Projektleiter, Produktionsleiter, Schreinermeister, Dipl. Techniker (Holztechnik), Bachelor of Science (FH) in Holztechnik oder Innenarchitektur

Infos// http://www.bic.at/berufsinformation.php?tab=1, http://bit.ly/1EegMzQ, http://bit.ly/1Ed0Gb8

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