C.S. Lewis-Preis

Neues Genre, neues Glück

Die Jungautorin Melissa C. Feurer (24) hat ihr erstes Buch bereits vor dem Abitur veröffentlicht. Bekannt ist sie für realistische, aber nicht alltägliche Geschichten wie »Regentropfentage«. Auf der Leipziger Buchmesse erhielt sie nun den C.S. Lewis-Preis für ihren neuesten Roman. Wir haben sie ausgequetscht, wie sie die Bücherwelt sieht.

 

TEENSMAG: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Melissa C. Feurer: Ich habe ungefähr mit elf, zwölf Jahren angefangen zu schreiben. Es gibt aber noch ältere Texte von mir – ganz kleine, einfach mit Bildern und ein bisschen Text, was ich in der Grundschule geschrieben habe. In der fünften, sechsten Klasse habe ich mich zum ersten Mal hingesetzt, um ein Buch zu schreiben. Ich kann nicht genau sagen, warum ich das angefangen habe. Ich habe immer gerne gelesen und mir irgendwann gedacht:»Ich habe auch Ideen für Geschichten und schreibe einfach mal was auf.« Seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört, sondern immer wieder etwas Neues angefangen.

 

In der Schule muss man häufig Geschichten schreiben. Aber du hast das auch für dich zuhause gemacht?
Genau. In der Schule habe ich immer gerne Erlebniserzählungen geschrieben. Aber ich habe das nicht ganz mit dem in Verbindung gebracht, was ich zuhause geschrieben habe, weil es etwas ganz anderes war. Das war wirklich auf ein Buch ausgelegt und sollte ein Buch werden.

 

Wann hast du gemerkt, dass deine Texte nicht nur für dich, sondern auch für andere interessant sein könnten?
Ich habe es ziemlich bald meiner Familie gegeben und angefangen, es in der Schulklasse zu verteilen. Dann habe ich immer ganz viel Rückmeldung bekommen. Ungefähr in der neunten Klasse habe ich das erste Mal etwas an einen Verlag geschickt, aber ziemlich lange ziemlich viele Absagen kassiert.

 

Das ist schon heftig.
Mittlerweile bin ich ganz froh, dass die Sachen damals nicht veröffentlicht wurden. Die hätte ich jetzt nicht so gerne im Buchladen oder im Internet bestellbar. Aber damals war es schon sehr deprimierend.

 

Woher hast du den Mut genommen, durchzuhalten?
Ich habe von vielen Autoren gehört und gelesen, dass es den meisten so geht und sie erst mal Absagen kriegen. Dass selbst die ganz bekannten, die riesen Bestseller geschrieben haben, zuerst abgelehnt wurden. Dann habe ich es einfach weiter probiert – zu der Zeit habe ich erst Fantasy- und dann Jugendromane geschrieben. Als ich angefangen habe, christliche Romane zu schreiben, hatte ich das Gefühl »Das ist es und jetzt wird es klappen!« Und so war es auch.

 

Was liest du selbst gerne?
Ganz verschieden. Ich lese selbst gerne verschiedene Jugendromane und total gerne Kinderbücher. Ich arbeite in der Grundschule und habe deswegen eine gute Ausrede, um Kinderbücher zu lesen. (lacht) Ich lese aber auch sehr gerne Bücher von Lynn Austen und Titus Müller – also auch ein bisschen die historische Richtung. Ab und zu ein bisschen Fantasy, eher wenig, ist aber auch dabei.

 

Was sind wichtige Gedanken, die du vermitteln willst? Oder Themen, die dir wichtig sind?
Ich möchte in meinen Büchern gerne von einem lebendigen Glauben erzählen und etwas darüber weitergeben. Als ich noch ganz normal Jugendbücher geschrieben habe, fragte ich mich irgendwann, was eigentlich dabei rumkommen soll. Sie waren teilweise eher traurig und dramatisch und ich dachte mir, dass das den Leser am Ende in einer negativen Stimmung zurücklässt. Ich möchte eigentlich etwas Hoffnungsvolles weitergeben, das dem Leser weiterhelfen kann in seinem Leben. Und ich möchte in meinen Büchern auch die Begeisterung für Jesus, für Gott vermitteln. Gerade wenn es um schwierige Themen in den Büchern geht, ist da dieser Lichtblick, dass Gott trotzdem da ist und er auf jeden Fall einen guten Plan hat.

 

Welche Rolle spielt der Glaube in deinem Leben?
In meinem Leben spielt der Glaube eine ganz große Rolle. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen und habe mich sehr früh für Jesus entschieden. Auf das Schreiben ist es erst sehr spät übergegangen. Ich habe das ganz lange getrennt und bin gar nicht auf die Idee gekommen, über meinen Glauben zu schreiben, bis Gott mir ziemlich klar gezeigt hat: Eigentlich kannst du dein Schreiben nutzen, um vom Glauben weiterzuerzählen. Deswegen spielt der Glaube jetzt auch in den Büchern eine große Rolle.

 

Wie viel gibst du von dir persönlich in deine Bücher hinein?
Ich dachte immer, überhaupt nichts. Aber mein Mann hat mich eines Besseren belehrt. Er hat mir aufgezählt, was er alles darin findet, und mittlerweile habe ich selbst ein Auge dafür, was alles einfließt. Ich schreibe nie etwas, was wirklich so war. Aber es ist ganz oft so, dass dort nebenbei – in einer Nebenfigur oder Elemente in der Handlung – die Themen sind, die mir am Herzen liegen oder ich selbst in ähnlicher Weise erlebt habe. Das kann ich, glaube ich, nicht vermeiden.

 

Was ist in deinem neuen Roman »Fischerkinder« anders als in den vorherigen?
So ziemlich alles. Die anderen Bücher waren alle sehr realistisch und spielen im Hier und Jetzt. Die meisten Dinge könnten theoretisch jedem passieren, auch wenn es nicht ganz alltägliche Geschichten sind. »Fischerkinder« ist eine Dystopie – das heißt, es spielt in einer nicht genauer definierten Zukunft und in einem Land, das nicht geografisch verortet ist. Das ganze Szenario ist nicht aus der Lebenswelt gegriffen, die wir kennen. Es ist fast eine Fantasy-Richtung.

 

Woher kam die Idee für die Geschichte von »Fischerkinder« und den Genrewechsel?
Die Idee ist jetzt fast schon zehn Jahre alt, glaube ich. Allerdings war es nicht als Dystopie geplant. Da habe ich mir nur gedacht, dass es ein interessantes Thema wäre, über eine Gruppe von Christen zu schreiben, die sich verbotenerweise treffen. Und ich habe die Geschichte über all die Jahre immer wieder ausgegraben und wollte sie schreiben und habe es auch versucht, aber es hat nicht gepasst. Ich konnte nicht erklären, wie es zu der anderen Lebenswelt kam und wo die Geschichte spielt. Als in den letzten Jahren Dystopien in den Trend kamen und ich selbst einige gelesen habe, dachte ich mir: »Das passt eigentlich. Wenn ich das Ganze so angehe, kann ich die Geschichte schreiben, ohne großartig zu erklären, welches Land es ist. Wenn ich ein Land beschreibe, wo das Leben wirklich so ist, kenne ich mich vielleicht nicht so gut damit aus.« Das war ein ganz praktischer Grund, alles in das dystopische Setting zu verlegen.

 

Der Roman geht mit dem Trend – dein Buch erinnert an Geschichten wie »Die Tribute von Panem«.
Ich habe nicht so viele Dystopien gelesen und auch nicht wegen ihnen gesagt, dass ich auch eine schreiben will. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine oder zwei gelesen und seit ich jetzt dran schreibe, habe ich auch in andere reingelesen, um zu sehen, wie sie normalerweise aufgebaut sind. Gerade lese ich Panem und es ist spannend zu sehen, was sich andere Autoren unter einer Dystopie vorstellen und welche Ideen sie hineinpacken. Es ist aber schwierig, zu sagen: »Ich bleibe genau bei dem, was ich mache.« Und sich nicht beeinflussen zu lassen.

 

Erzähl mal die Geschichte von dem Wettbewerb, an dem du mit deinem Roman »Die Fischerkinder« teilgenommen hast. Das Buch ist ja jetzt noch gar nicht fertig…
Der C.S. Lewis-Preis wurde für ein Projekt ausgeschrieben. Das heißt, dass das Buch noch nicht fertig sein musste. Es muss nur in einem bestimmten Zeitrahmen fertig zu stellen sein. Ursprünglich wollte ich mich nicht bewerben. Ich habe das nur gefunden und gedacht »Oh, C.S. Lewis-Preis, davon habe ich schon gehört. Da würde meine Idee, die ich gerade angefangen habe, genau reinpassen.« Da hatte ich gerade erst ein paar Kapitel. Und dann habe ich gesehen, dass Titus Müller in der Jury ist – das hat mir gefallen, weil er ein großes Vorbild von mir ist. Aber ich habe mich nicht getraut, etwas hinzuschicken. Mein Mann hat dann aber gemeint: »Jetzt schick es einfach mal hin. Es kann ja eigentlich nichts passieren.« Das habe ich gemacht und hatte über die ganzen Monate die Motivation weiterzuschreiben, weil es fertig werden muss, falls ich gewinne. Das war ein ganz toller Druck, weil er wirklich etwas gebracht hat. So hab ich überhaupt erst geschrieben – sonst hätte ich die Idee vielleicht irgendwann verworfen, weil es kein einfaches Buch für mich zu schreiben war, da alles so neu ist. Als der Anruf kam, dass ich gewonnen habe, war ich erst bei dreizehn-vierzehn Kapiteln und musste mich ranhalten, es fertig zu stellen.

 

Hast du Tipps für junge Schriftsteller, wie man spannende Texte schreibt?
Ich finde es total wichtig, einfach zu schreiben. Einfach etwas zu Papier zu bringen, auch wenn man zwischendurch nicht zufrieden ist. Es geht mir immer so: Am Anfang bin ich ganz begeistert von der Idee und zwischendrin möchte ich das ganze Dokument einfach löschen. Aber ich habe irgendwann gelernt dann durchzuhalten. Es ist ganz wichtig, einfach weiterzumachen, auch wenn man gerade das Gefühl hat, es wird sowieso nichts. Man kann es am Ende immer noch überarbeiten. Es muss nicht beim ersten Versuch perfekt sein.

 

Was bedeutet der Preis für dich?
Für mich ist er eine ganz große Ehre. Der Name C.S. Lewis und seine Narnia-Bücher sind ganz bekannt – gerade weil christliche Bücher in Deutschland eigentlich nicht die große Bekanntheit erlangen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Preis gewinnen kann. Es war mehr die Idee, dass ich mal mitgemacht habe. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich kleiner Autor den Preis gewinnen kann.

 

Wie sieht der Preis aus?
Mein Buch erscheint im Brendow-Verlag und ich darf an einem Seminar von Titus Müller teilnehmen – allerdings erst dann, wenn das Buch schon fertig ist. Es ist bestimmt total spannend, aber für das Buch selbst bringt es mir nichts mehr. Ich war schon einmal in einem Seminar von ihm. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der schreibt und Tipps braucht. Die Seminare von Titus Müller sind wirklich sehr hilfreich und man lernt ganz viel.

 

_Lisa hat als Kind eigene Märchen ausgeschmückt, sie aber nur in ihr eigenes Bücherregal gestellt.

Der Roman Fischerkinder erscheint im Sommer im Brendow-Verlag. Weitere Bücher von Melissa gibt’s auf francke-buch.de.

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