Prophezeiungen!?
Leila // »Auf Social Media sprechen manche Christfluencerinnen von Prophezeiungen und dass Gott ihnen zum Beispiel gesagt hat, wen sie heiraten sollen. Was steckt dahinter?«
Einige Christen glauben, dass Gott auch heute noch direkt zu uns spricht und dazu vor allem Prophezeiungen nutzt. Versteh mich nicht falsch: Dass der Heilige Geist noch heute wirkt, glauben alle Christen. Aber manche betonen besonders die direkte, wundersame und übernatürliche Wirkung. Eine Prophezeiung beschreiben Menschen oft wie einen inneren Eindruck, etwa ein Bild, das auf einmal vor dem inneren Auge auftaucht, nachdem man Gott etwas im Gebet gefragt hat oder ein Bibelvers, der einem plötzlich einfällt. In 1. Korinther 14,3 steht, wofür eine Prophezeiung da sein soll: »Wer prophetisch redet, der hilft anderen, im Glauben an den Herrn zu wachsen, und er ermutigt und tröstet sie.« Das Ziel dahinter ist also, anderen etwas Gutes zu tun.
Wenn Menschen glauben, dass Gott zu ihnen durch Prophezeiungen redet, dann sollten sie damit sorgfältig umgehen. Wenn jemand sagt: »Ich habe etwas innerlich gehört oder gesehen und ich glaube, das war von Gott!« dann ist das für uns, die wir das nicht selbst gesehen haben, nicht nachprüfbar. Und dann gibt es die Gefahr, dass andere Menschen da mit unter Druck gesetzt werden können. Stell dir vor, jemand sagt: »Gott hat mir gesagt, du sollst nach Afrika gehen und Missionar werden!« Wäre das eine gute Nachricht für dich? In Gemeinden, die Gott um solche Eindrücke bitten, wird oft eine Sache gemacht, die ich sehr wichtig und gut finde: Ein Eindruck wird immer geprüft. Wenn ich im Gottesdienst bete und dann das Gefühl habe, eine innere Stimme sagt mir: »Hey, Nele, geh zu Jutta da drüben und sag ihr, dass ihre Geldsorgen schon bald ein Ende haben werden«, dann würde ich das nicht sofort machen, sondern zuerst mit jemand anderem sprechen, zum Beispiel einer Pastorin oder einem Pastor. Die Person würde dann ebenfalls Gott fragen und vielleicht den gleichen, aber vielleicht auch einen ganz anderen Gedanken dazu haben. Das tun Christen, weil die Bibel klar davor warnt, dass nicht alles, was wir an inneren Stimmen hören, direkt von Gott ist. Das steht zum Beispiel in 1. Johannes 4,1. Vielleicht rät mir die Person dann, den Eindruck für mich zu behalten, weil sie sich nicht sicher ist, ob Gott das wirklich gesagt hat. Es ist klar, dass man sich einfach mal irren kann. Wir Menschen sind nicht perfekt darin, Gottes Stimme zu hören und zu unterscheiden. Deswegen ist es mindestens genauso wichtig, dass du einen Eindruck, den du von jemand anderem zugesprochen bekommst, auch für dich selbst prüfst. Du hast das Recht zu sagen: »Hm, nein, damit kann ich gerade nichts anfangen.«
Wenn Menschen prophetisch von Gott hören, dann redet Gott meistens über seine Beziehung zu den Menschen. Die Vorstellung, dass er dir genau sagt, wer dein Ehemann wird, ist sehr schön und praktisch, aber nicht typisch für Prophezeiungen. Das ist, glaube ich, auch gut so, denn gerade hier, wo so viele Gefühle und Wünsche mit im Spiel sind, ist die Gefahr hoch, dass wir uns mal »verhören« und statt Gottes Stimme die eigenen Wünsche für eine Prophezeiung halten. Trotzdem glaube ich, dass Gott dich in deinem Leben lenkt und leitet, auch wenn es darum geht, einen Partner fürs Leben zu finden. Zuletzt noch ein Bibelvers: »Wenn ich die Gabe der Prophetie hätte und wüsste alle Geheimnisse und hätte jede Erkenntnis und wenn ich einen Glauben hätte, der Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts« (1. Korinther 13,2).
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